Was ist Minimalismus?

Was ist Minimalismus?
Hier auf supersimpel.at geht es darum, ein Leben im Einklang mit seinen Werten zu führen, es achtsam zu erleben und bewusst zu genießen. Ein Werkzeug, das es mir ermöglicht, ein solches Leben zu entwickeln ist Minimalismus.

Für mich ist Minimalismus weniger eine konkrete Technik als eine ganzheitliche Einstellung. Das bedeutet, dass ich keine maximale Anzahl an Gegenständen, Quadratmetern oder Stunden für irgendetwas habe.

Diese Einstellung kommt von innen und zieht sich durch viele Entscheidungen und Lebensbereiche. Was ich damit meine, kann ich vielleicht am besten vermitteln, wenn ich dir meine drei »Minimalismus–Grundsätze« näher bringe:

Die 3 Minimalismus–Grundsätze

  • Weniger haben, mehr sein. Während es für einige Menschen wichtig ist, was sie besitzen, ist es für Minimalisten wichtig, was sie erleben. Das können Abenteuer in Südostasien sein oder einfach ein schöner Nachmittag mit der Familie. Das Sein steht im Vordergrund. Sich damit auseinanderzusetzen, was und wie man sein möchte. Wie man sein Dasein beeinflussen kann und ein Leben entwickelt, das »Innen« und »Außen« in Einklang bringt. Wir wollen Erfahrungen machen, wir wollen uns spüren und uns unsere Zeit und Energie nicht von Gegenständen rauben lassen.
  • Weniger, aber besser. Dieser Grundsatz stammt von Dieter Rams. Sich auf weniger zu konzentrieren ermöglicht uns, diese Essenz besser zu machen. Wir müssen unsere Energie jetzt nicht mehr in hundert Teile teilen. Wenn wir unsere Energie auf weniger Dinge richten, können wir dafür in diese investieren. Was die Essenz, in die wir investieren, sein soll, können wir selbst entscheiden. Familie, Freunde, Erfahrungen, Reisen, Gesundheit, Glück und persönliche Weiterentwicklung statt des Hamsterrads, in dem wir ohne Ende fiktiven Zielen nacheilen sollen.
  • Liebe Menschen, benutze Gegenstände. Das Gegenteil funktioniert nie. Diesen Satz habe ich mir von the minimalists ausgeborgt. Gegenstände sind nicht böse. Auch Smartphones und soziale Netzwerke sind nicht böse. Sie kosten vielen von uns eine Menge Lebenszeit, Geld und Energie – das ist richtig. Aber letzten Endes können wir doch selbst bestimmen, ob wir Anwender oder Werkzeug sein wollen. Für meinen Teil möchte ich Gegenstände als das sehen, was sie sind: Werkzeuge.

Geht es bei Minimalismus um Weniger oder um Mehr?

Minimalismus ist ein etwas paradoxes Thema. Ständig geht es um Weniger. Es geht darum, zu reduzieren, weniger zu besitzen, weniger zu tun, weniger Verpflichtungen zu haben. Aber wozu? Wenn man sich diese Frage beantwortet, findet man schnell das Mehr im Weniger.

Wir wollen mehr Freiheit, mehr Leben und mehr Energie. In weiterer Folge wollen wir mehr Platz, mehr Geld und mehr Ruhe. Vielleicht streben Minimalisten gar nicht nach Weniger, sondern benutzen weniger vom Falschen, um mehr vom Richtigen zu erreichen.

Vielleicht gibt es so etwas wie ein reines Weniger gar nicht, sondern nur ein Gesamtkontingent. Mehr vom einen bedeutet weniger vom anderen. Wenn dem so ist, dann haben wir durch das, was sich Minimalismus nennt, die Möglichkeit, den Regler in diesem Spektrum zu verschieben. Wir schieben den Regler weg von Materialismus, übermäßigem Konsum und irrationalem Besitz, in Richtung Zeit, Freiheit, Glück, Freude und Energie.

Was soll übrig bleiben?

Eine Frage die sich nicht nur jeder Minimalist, sondern jeder Mensch früher oder später stellen wird ist: Was soll übrig bleiben? Wenn ich alles bestimmen könnte, völlig neu starten und alles umstrukturieren könnte, was würde dann übrig bleiben?

Diese Frage zu beantworten ist kein erster Schritt. Es ist eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit unserem Dasein. Sich mit Zielen, Wünschen und Kriterien auseinanderzusetzen ist eine direkte Auseinandersetzung mit sich selbst. Wir haben die Möglichkeit, unser Leben zu beeinflussen. Wir müssen nicht länger andere Personen ansehen und sagen: »Wenn ich nur auch so sein könnte…«.

Wenn du erkennst, dass es dir an nichts fehlt, gehört dir die ganze Welt.

– Laozi

Minimalistisch zu leben bedeutet, ein authentisches Leben zu führen. Es bedeutet herauszufinden, was übrig bleibt, wenn wir alles wegnehmen, was nicht in Einklang mit unseren Wünschen und Werten ist.

Diese Auseinandersetzung kann uns mit einer harten Tatsache konfrontieren. Möglicherweise gefällt es uns nicht, herauszufinden, dass wir unsere wahre, authentische Persönlichkeit hinter einer Mauer aus Produkten, Gegenständen, falschen Freunden und unwichtigen Tätigkeiten verbergen. Vielleicht kennen wir die Person, die dahintersteht gar nicht so gut. Ich denke, es ist höchste Zeit, sich mit dieser Person anzufreunden.

Wirkung des Minimalismus

Aber was ist nun das Besondere am Minimalismus? Was macht den minimalistischen Alltag anders als den »normalen«? Genau hier ist für mich der Punkt, warum ich nicht ausschließlich über Minimalismus schreiben kann und warum ich nicht »nur« ein minimalistisches Leben führen kann.

Für mich gibt es einige Konzepte und Praktiken, die ein solches Leben ermöglichen und sie machen nur gemeinsam Sinn. Minimalismus, Achtsamkeit und Meditation greifen ineinander und ermöglichen mir gemeinsam das, was ich ein »einfaches, bewusstes Leben« nenne.

Sebastian (a.k.a. Mr.Minimalist) beschreibt dieses Leben mit dem »Wunsch nach mehr, nach tieferem Bewusstsein«. Felix von Urgeschmack sagt, dass »Minimalismus von Angst, Stress und Trauer befreien kann«.

Ich denke, beides ist richtig, aber nicht ganz richtig. Nicht der Minimalismus erzeugt ein tieferes Bewusstsein, oder befreit uns von Angst, Stress und Trauer, sondern unsere Auseinandersetzung damit.

Die Auseinandersetzung mit dem, was wir in unserem tiefsten Inneren als wichtig empfinden, erzeugt in uns Selbstbewusstsein, Mut, Freude, Zuversicht und Fokus. Das bedeutet, es reicht nicht, sich einen Minimalisten zu nennen und seinen Besitz zu verkaufen – der Punkt ist, sich intensiv damit zu beschäftigen, was wirklich zählt.

Minimalismus und Verzicht

In »Walden – Ein Leben mit der Natur« schreibt Henry David Thoreau über die Zeit in seiner selbstgebauten Hütte im Wald, das auf das absolut Mindeste reduziert ist. Ab 1845 hat er zwei Jahre dort verbracht. In diesem Buch wird der Zusammenhang von Minimalismus und Verzicht großartig dargestellt.

In diesen zwei Jahren bemerkt der Autor, dass ihm fünf Wochen Lohnarbeit im Jahr reichen würden, um seine Bedürfnisse decken zu können. Er bemerkt auch, dass ein Eigenheim (das in seinem Fall sehr bescheiden, aber ausreichend ist) ein Besitz ist, für den die meisten Menschen ihr Leben lang arbeiten. So gesehen verzichtet er nicht, sondern bereichert sich.

Den Reichtum eines Menschen kann man an den Dingen messen, die er entbehren kann, ohne seine gute Laune zu verlieren.

– Henry David Thoreau

Mir ist es auch ein Anliegen, den Blick auf den Minimalismus umzudrehen. Nicht das zu sehen, was Minimalisten weglassen, sondern das, was sie gewinnen. Ja, es gibt Ehepaare, die in einem VW–Bus leben. Aber sieh es doch so: Diese Menschen haben ein abbezahltes, mobiles und für sie ausreichendes Heim und die Möglichkeit, überall auf der Welt zu leben. Sie sehen und erleben Dinge, von denen wir denken, wir können sie nur mit viel Geld erreichen. Das ist eine Errungenschaft, der die meisten Menschen ihr Leben lang hinterhereifern.

Mehr über Minimalismus

Hier auf supersimpel.at erscheinen immer mehr Artikel zu Minimalismus, Achtsamkeit, Entspannung und inneren Werten. Wenn du mehr über Minimalismus im Speziellen lesen möchtest, empfehle ich dir folgende Artikel:

Es gibt viele großartige Blogs im deutschsprachigen Raum, die über Minimalismus und das einfache Leben schreiben:

Artikel von Dominik Radl



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