Was bringt Meditation?

Was bringt Meditation?
In meinen Artikeln beschreibe ich die Meditation oft als Übung, zu sich selbst zu finden. Damit meine ich nicht, den Sinn des Lebens zu finden, sondern sich bewusst mit sich selbst zu beschäftigen. Wie das konkret aussieht und welchen Einfluss Meditation auf mich hat, möchte ich mit dir teilen.

Für mich ist Meditation schon lange ein Fixpunkt in meiner Morgenroutine. Irgendwann habe ich es einfach ausprobiert. Die ersten Male war es wirklich seltsam. Ich habe zweimal täglich für eine halbe Stunde meditiert. So habe ich das in einem Meditationszentrum gelernt und versucht, es einfach zu tun.

Was da in mir vorgegangen ist, kann ich fast gar nicht beschreiben. Mein Hirn hat begonnen, in rasender Geschwindigkeit Informationen aufzuarbeiten. Plötzlich habe ich mich mit Situationen beschäftigt, die Jahre zurück lagen.

Zu diesem Zeitpunkt habe ich erstmals erlebt, was sich hinter dem Begriff »Monkey–Mind« (Affengeist) verbirgt. Mein Geist war sprunghaft und aufgeweckt wie ein junger Affe. Ich konnte ihn einfach nicht beruhigen. Trotzdem habe ich versucht, zweimal täglich 30 Minuten lang »auszuhalten«.

Falls du jetzt erwartest, dass irgendwann einfach der Knopf aufgegangen ist und ich ruhig und ausgeglichen geworden bin, muss ich dich enttäuschen. Ich habe die Meditationsübung aufgegeben. Nicht vorsätzlich, sondern weil einfach immer etwas dazwischen gekommen ist.

Viel später habe ich gelernt, wie Gewohnheiten funktionieren und wieder bewusst an meiner Meditationspraxis gearbeitet.

Ich habe Meditationsgruppen und kürzlich sogar eine chinesische Teezeremonie besucht. Heute meditiere ich meistens zehn bis zwanzig Minuten lang. Manchmal meditiere ich auch abends, manchmal mit meiner Holzperlenkette, manchmal mit einer Kerze, manchmal mit Räucherstäbchen.

Einen direkten Effekt der Meditation konnte ich erst feststellen, als ich sie zu einem fixen Teil meines täglichen Ablaufs gemacht habe. Nachweisen kann ich diesen Effekt nicht, aber ich spüre ihn ganz deutlich.

Mein Geist lernt, sich nicht jedem Einfluss sofort hinzugeben. Die unkontrollierte Reaktion auf äußere Einflüsse kann sich beispielsweise als Stress oder Zorn äußern. Oder sie zeigt sich als Ungeduld, Unsicherheit oder Launenhaftigkeit.

Diese Eigenschaften haben sich definitiv verändert. Ich habe einen gewissen Abstand zu solchen Einflüssen gewonnen.

Dem Drang widerstehen

In der Meditation sind wir mit vielen Ausprägungen von Abhängigkeit konfrontiert. Unser Gehirn macht uns bemerkbar, dass die Nase juckt und ohne darüber nachzudenken kratzen wir uns. In diesem Fall ist Abhängigkeit nichts Schlechtes, aber dem Drang zu widerstehen schult nicht nur unsere Disziplin, sondern beeinflusst uns auch auf vielen weiteren Ebenen.

Wenn wir meditieren, lernen wir, unserem sprunghaften Geist nicht nachzugeben. Wir sind hochpräsent in der Gegenwart und bemüht, auch in diesem Zustand zu bleiben. Ständig müssen wir spontanen Drängen widerstehen – es zwickt irgendwo, ein Bein schläft ein, wir verfolgen die unterschiedlichsten Gedanken und wollen irgendwann einfach aufstehen, weil wir uns fragen, was das alles eigentlich soll.

Wir lernen aktiv, weniger reaktiv zu sein. Ruhig zu sitzen und nichts zu tun ist ein großer Aufwand. Wenn wir Gedankengänge verfolgen, bringen wir unsere Aufmerksamkeit sanft zurück in die Gegenwart. Wenn wir uns bewegen wollen, führen wir unsere Konzentration sanft zurück in die Gegenwart.

Meditation als Tor zur Gegenwart

Durch regelmäßige Meditation lernen wir, den Geist zu beruhigen. Wir schalten nicht unsere Gedanken ab und befinden uns dann in einem geistigen Vakuum, sondern wir bemühen uns, die Gedanken einfach Gedanken sein zu lassen. Wir lassen sie passieren und reagieren nicht darauf.

Oft sind wir gedanklich in der Zukunft oder Vergangenheit gefangen. Vielleicht merken wir erst, dass wir gefangen sind, wenn wir versuchen, zu entkommen. Dabei hilft Meditation. Achtsam in der Gegenwart zu sein ist das Ziel.

Achtsamkeit lehrt uns, nicht zu werten. Diese Methode findet in der Meditation auch Anwendung. Es sollte uns ganz egal sein, wie lang wir schon sitzen und wann der Wecker läutet. Es sollte uns auch egal sein, was andere Menschen jetzt gerade machen, ob du noch etwas zu tun hast und was du möglicherweise verpassen könntest. Das zu lernen wirkt sich sehr positiv auf den Alltag aus.

Meditation ist gelebter Minimalismus

Für mich greifen Achtsamkeit, Meditation und Minimalismus großartig ineinander. Sie erfordern und ergänzen sich gegenseitig.

Wenn ich darüber nachdenke, ist Meditation der ultimative Minimalismus: Wir reduzieren bewusst unser Dasein auf die absolute Essenz – den Atem. Wir bemühen uns, eine Position einzunehmen, die so stabil ist, dass sie kein Zutun erfordert.

Der Geist wird in einen Zustand gebracht, in dem ihn nichts anderes interessiert, als im gegenwärtigen Moment zu bleiben. Das ist für mich gelebter Minimalismus.

Auch hier finde ich wieder ein Mehr im Weniger. Während uns Minimalismus durch das Weniger an Konsum, Abhängigkeit und Stress ein Mehr an Lebensqualität, Zeit und Glück bringt, bringt uns Meditation durch das Weniger an Bewegung, Reaktion und Aktivität ein Mehr an Bewusstsein und Präsenz.

Was bringt Meditation?

Also, was sind denn nun die Auswirkungen einer so einfachen und doch so komplexen Übung? Ich kann diese Frage nicht global beantworten und supersimpel.at ist nicht der Ort für die neuesten Wissenschaftlichen Erkenntnisse – ich möchte also aus meiner Erfahrung berichten.

Seit ich regelmäßig meditiere, habe ich das Gefühl, dass mein Geist weniger voreilig reagiert. Bei äußeren und inneren Einflüssen gewinne ich einen gewissen Abstand. Ich erfahre mehr Gelassenheit. Außerdem fühle ich mich bei der Arbeit fokussierter und ich glaube, meinen Geist mehr unter Kontrolle zu haben. Das äußert sich zum Beispiel bei der Meditation selbst. Während es früher einige Minuten gedauert hat, bis mein Geist etwas ruhiger geworden ist, geht das heute recht schnell.

Die Wissenschaft spricht von verbessertem Problemlösungsvermögen, erhöhter Kreativität und ähnlichen Phänomenen. Ich glaube das gerne, kann es aber selbst nicht ausschließlich auf die Meditation zurückführen. Ich bin mir sicher, dass die regelmäßige Meditation einen positiven, beruhigenden Effekt auf mich hat. Möglicherweise denke ich strukturierter und es fühlt sich gut an, sich klarer und weniger reaktiv zu verhalten.

Wie meditiert man?

Ich würde dir empfehlen, den ganzen Hokus–Pokus beiseite zu lassen und ohne Erwartungen zu meditieren. Versuche, morgens zehn Minuten lang zu sitzen und deine Aufmerksamkeit auf deinen Atem zu richten. Wenn deine Gedanken abschweifen, bring sie einfach ganz sanft zurück.

Versuche, diese Übung zwei Wochen lang jeden Tag auszuführen. Dann kannst du bereits die Auswirkungen davon im Alltag bemerken. Ich habe dir hier einige Anleitungen verlinkt, die verschiedene Arten der Meditation beschreiben. Welche dir am meisten liegt, kannst du ja entscheiden, wenn du alle ausprobiert hast. Viel Spaß!

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Artikel von Dominik Radl



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