Warum es unangenehm ist, Gewohnheiten zu entwickeln

Warum es unangenehm ist, Gewohnheiten zu entwickeln
Ich kann gar nicht oft genug erwähnen, wie wirkungsvoll es ist, Gewohnheiten zu entwickeln. Ich denke, mit Gewohnheiten kann man alles erreichen. Im Gegensatz zum direkten Hinarbeiten auf Ziele kann man Enttäuschungen vermeiden und gleichzeitig andere Lebensbereiche positiv beeinflussen. Warum ist es dann trotzdem so schwierig, Gewohnheiten zu entwickeln?

Komfortzone vs. Wunschvorstellung

Beim Entwickeln von Gewohnheiten gibt es zwei Zustände: die Komfortzone und die Wunschvorstellung. Beide Zustände lassen sich nur bedingt von uns verändern.

Die Komfortzone ist der Zustand, in dem wir uns jetzt gerade befinden und aus dem wir möglichst nicht ausbrechen wollen. Alles was sich außerhalb dieser Zone befindet ist uns unangenehm. Es entsteht ein gewisser Widerstand, wenn wir aus unserer Komfortzone ausbrechen wollen.

Die Komfortzone kann örtlich sein, also tatsächlich eine Zone. Das Sofa zum Beispiel, oder das Bett, oder die eigene Wohnung. Sie kann aber auch der jetzige Zustand sein, das derzeitige körperliche und geistige Befinden. Nur weil die Komfortzone Komfort im Wort hat, bedeutet das nicht, dass es tatsächlich der komfortabelste Zustand für uns ist, es wäre nur unkomfortabel, auszubrechen.

Die Wunschvorstellung ist das genaue Gegenteil. Sie spielt sich in unserem Kopf ab und stellt ein unwirkliches Bild dar. Sie zeigt uns ein Bild von einer perfekt umgesetzten, erfolgreichen Gewohnheit. Die Wunschvorstellung zeigt uns in schöner Laufkleidung an einem Sommermorgen durch den Wald laufen. 20 Kilometer weit. Jeden Morgen.

Nicht, dass das nicht möglich wäre. Genau das ist das Ziel unserer Gewohnheit. Das Problem ist auch nicht die Wunschvorstellung an sich. Sie kann uns die notwendige Motivation liefern, über die erste Hürde der Gewohnheit zu kommen. Das Problem ist unser Umgang mit ihr.

Je größer der Unterschied zwischen Komfortzone und Wunschvorstellung ist, desto mehr Respekt haben wir vor dem Weg, der dazwischen liegt. Dieser Respekt kann schnell in Furcht umschlagen und unsere Gewohnheit beenden, bevor wir sie überhaupt begonnen haben.

Deshalb fällt es vielen Menschen so schwer, anstatt einer Radikaldiät nachhaltige Veränderungen in ihrem Leben zu machen. Bei einer Diät ist die Komfortzone und die Wunschvorstellung getrennt durch beispielsweise vier Wochen Radikaldiät. Die Wunschvorstellung bei nachhaltigen Lebensveränderungen tritt erst nach einem halben Jahr, einem Jahr oder möglicherweise erst nach zwei Jahren ein.

Noch schwieriger wird es, wenn die vierwöchige Diät beendet ist, aber die Wunschvorstellung nicht eingetreten ist. Dann folgt noch der gefürchtete Jojo-Effekt und die Angst vor dem Weg zwischen Komfortzone und Wunschvorstellung wird immer größer.

So kannst du die Wunschvorstellung zu deinem Vorteil nutzen

Wenn du der Wunschvorstellung zu viel Bedeutung gibst, läufst du Gefahr, dem Weg dorthin zu wenig Bedeutung zu geben. Jeder hat eine gewisse Vorstellung davon, wie eine funktionierende Gewohnheit nach einiger Zeit unser Leben verändert. Diese Vorstellung ist schön. Aber du solltest sie mehr als einen Bonus sehen, nicht als Ziel.

Setz dir als Ziel, die Gewohnheit zu entwickeln, nicht die Wunschvorstellung zu erreichen. Wenn du dir vornimmst, laufen zu gehen, dann geh nicht deshalb laufen, weil du in drei Jahren schnell, schlank und fit für einen Marathon sein wirst, sondern weil das Laufen dein Leben bereichert. Genieße den Weg und akzeptiere die Wunschvorstellung als das, was sie ist: ein Film, der in deinem Kopf abläuft.

Wenn du deine Gewohnheit umsetzt und regelmäßig läufst, dann muss bei einem Marathon in drei Jahren noch lange nicht Schluss sein. Vielleicht läufst du aber in drei Jahren fünf Kilometer weit, weil du die Distanz einfach lieber magst. Hast du dann versagt, nur weil dein Leben nicht deiner Wunschvorstellung von vor drei Jahren entspricht? Auf keinen Fall.

Alles, was außerhalb unserer Komfortzone liegt, bereitet uns Unbehagen

Innerhalb der Komfortzone verändert sich nichts. Es ist der Zustand, der gerade ist und der genau so bleibt. Um eine Gewohnheit zu entwickeln und den Weg Richtung Wunschvorstellung einzuschlagen, müssen wir Schritt für Schritt aus unserer Komfortzone gehen.

Dieser Schritt ist es, der Veränderungen so unangenehm macht. Dieser Schritt ist es auch, der dich weiter bringt.

Veränderungen weniger unangenehm machen

Wie können wir nun dafür sorgen, dass der Schritt aus der Komfortzone weniger unangenehm ist? Ich kann dir ein paar Wege zeigen, deine Komfortzone zu verlassen und dich dabei gut zu fühlen:

  1. Beweise dir selbst, dass du Veränderungen machen kannst. Das ist ein Grund, warum ich anfangs immer den kleinsten, möglichen Schritt in die richtige Richtung gehe. Mit jedem noch so kleinen Schritt gewinnst du Vertrauen in dich selbst. Du beweist dir, dazu in der Lage zu sein, dein Leben zu verändern. Wenn die Veränderung anfangs minimal ist, dann ist das eben so. Achte darauf, so oft wie möglich und so regelmäßig wie möglich kleine Ziele zu erreichen.
  2. Mach den ersten Schritt wirklich klein. Das hat mehrere Vorteile. Dass du damit Vertrauen zu dir selbst gewinnst, weißt du jetzt schon. Ein weiterer Vorteil ist der Sprung über die anfängliche Hürde. Eine Gewohnheit wird auf Dauer immer einfacher auszuführen. Nach ca. 6 Wochen sollte sie sogar relativ automatisiert, also ohne größere Überwindung, funktionieren. Die meiste Überwindung brauchst du zu Beginn. Deshalb wirken wir genau dieser Kurve entgegen und beginnen mit kleinen Schritten, die wir steigern, sobald die Gewohnheit in unser Leben integriert ist.
  3. Genieße es, außerhalb der Komfortzone zu sein. Das ist nicht so einfach, wie es sich schreibt. Wenn du dich das nächste Mal überwindest und einen Schritt aus deiner Komfortzone machst, achte darauf, wie du dich fühlst. Das Gefühl, einen Schritt in die richtige Richtung gemacht zu haben ist großartig. Überschatte es nicht durch Ärger über die Anstrengung, oder das schlechte Wetter. Genieße es, etwas zu vollbringen und dein Leben zu verändern. Bewege dich voller Selbstbewusstsein außerhalb der Komfortzone und nutze die Energie, die dir das bringt.

Du wirst bemerken, dass mit jedem dieser Schritte die Komfortzone und die Wunschvorstellung näher zusammenrücken. Du akzeptierst, dass die Wunschvorstellung nur eine solche ist und dass du Schritt für Schritt alles erreichen kannst. Außerdem wirst du lernen, den Weg dorthin zu genießen.

Bist du gerne außerhalb der Komfortzone?

Wie fühlst du dich, wenn du deine Komfortzone verlässt? Wie kommst du über die anfängliche Hürde? Hinterlasse doch einen Kommentar mit deinen Erfahrungen und Tipps.

Artikel von Dominik Radl



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