Für alle, die gestresst und überfordert sind

Für alle, die gestresst und überfordert sind
Du kennst das sicher: Dein Tag hat 24 Stunden, aber du musst Tätigkeiten von mindestens 30 Stunden unterbringen. Neben diesen Tätigkeiten wollen wir aber eigentlich auch noch unser Leben besser machen – meditieren, laufen, trainieren, ausmisten, kochen und supersimpel lesen. Was passiert? Meistens gar nichts.

Oft ist es außerhalb unserer Kontrolle, wieviel wir zu tun haben und welche Aufgaben uns zugewiesen werden. In vielen Jobs wachsen die To–Do–Listen schneller, als du sie lesen kannst. Abgesehen davon gilt es noch den täglichen Wahnsinn, wie Haushalt, Essen und Familie zu managen.

Es gibt diesen Moment, in dem du dir all dessen bewusst wirst. Du siehst die nicht enden wollende Liste an Aufgaben vor dir und während du überlegst, womit du beginnen sollst, denkst du an all die weiteren Aufgaben, die du abseits deiner Arbeit zu erledigen hast. Du gerätst in einen Stresszustand. In deinem Tunnelblick beginnst du, alles gleichzeitig zu bearbeiten und hoffst auf ein baldiges Ende.

Es ist in deinem Kopf

Dieser Stresszustand wirkt auf mehreren Ebenen. Einerseits befindest du dich immer in einer gewissen Unzufriedenheit. Du möchtest oder musst mehr tun, als du unterbringen kannst. Dieses Gefühl der Ohnmacht und Überforderung wirkt sich auf dein Gemüt aus. Auf Dauer unzufrieden zu sein ist sehr gefährlich, deshalb musst du handeln.

Außerdem wirkt sich dein unzufriedenes Dasein darauf aus, wie du mit anderen Menschen umgehst. Das rationale Denkvermögen musste eventuell schon bei den letzten Aufgaben dran glauben. Da kann es schon einmal passieren, dass du einen Freund, Kollegen oder Partner anschnauzt und es später bereust.

Du siehst, es entsteht eine Verkettung unangenehmer Ereignisse. Dein Tag hat 24 Stunden, genau wie meiner und genau wie der von Warren Buffet, Elon Musk und Mark Zuckerberg. Du kannst 18 Stunden täglich arbeiten um deine Aufgaben zu erledigen. Die meisten von uns werden diesen Level aber nicht lange halten können.

Deshalb macht es meiner Meinung nach mehr Sinn, Frieden zu schließen und den Weg nach innen zu finden. Stress und Überforderung sind Gefühle, die deinem Gehirn entspringen.

Natürlich gibt es Zeiten, in denen viel zu tun ist. Ab und zu muss auch einmal richtig viel gearbeitet werden. Entscheidend ist, wie du damit umgehst. Hier geht es nicht um ausgefeilte Produktivitätstechniken, mit denen du noch mehr Arbeit in weniger Zeit erledigen kannst, hier geht es darum, während dieser Phasen in deiner Mitte zu bleiben.

1. Nimm deinen Zustand wahr

Versuche, Verhaltensmuster zu erkennen, wenn du gestresst bist. Ich habe bemerkt, dass ich im Stress oft viele Dinge gleichzeitig machen möchte. Ich werde unruhig und habe zehn Programme offen. Während ich eine Aufgabe abschließen möchte, beginne ich schon die nächste. Meine Aufmerksamkeit ist nie ganz bei einer Sache.

Darunter leidet nicht nur mein Körper und Geist, sondern auch meine Arbeit. Letztendlich geht viel weniger weiter, wenn ich versuche, alles auf einmal zu machen. Das ist für mich ein eindeutiges Zeichen, auf das ich reagieren muss.

Festzustellen, wann du dich in einem Stresszustand befindest ist die Grundvorraussetzung dafür, dass du handeln kannst. Beginne, deine Gefühle immer wahrzunehmen, dann wirst du auch in der Lage sein, zu bemerken, wenn dir alles zu viel wird.

2. Akzeptiere, dass du nicht alles auf einmal machen kannst

Dieser Punkt ist oft schwierig. Wir denken, wir müssen einfach alles schaffen. Das wird von uns verlangt und andere Menschen schaffen das vielleicht auch. Hier ist ein Geheimnis: Niemand kann alles auf einmal machen.

Du hast sicher großes Potential und du machst deine Arbeit gut und gewissenhaft. Aber jedes Potential ist irgendwann erschöpft. Es macht keinen Sinn, es bis zum Äußersten zu belasten und sich dann zu wundern, warum du darunter leidest.

Sei dir bewusst, dass jede noch so schwere Aufgabe Schritt für Schritt funktioniert. Auch wenn die To–Do–Liste aus dutzenden Aufgaben besteht, so musst du doch mit der ersten beginnen.

Ein beidarmig zu umfassender Baum wächst aus des Sprösslings feinstem Flaum. Ein Turm, der einmal neunstöckig werde, erhebt sich aus einem Häufchen Erde. Eine Reise, tausend Meilen lang, mit einem ersten Schritt fing sie an!

– Laotse, Tao Te King

Regelmäßige Meditation kann dir dabei helfen, dich selbst besser zu sehen. Du lernst, mit solchen Situationen achtsam umzugehen. Du bemerkst, dass diese Gedanken und Gefühle deinem Geist entspringen und du deren Urheber bist. Du lernst, zu akzeptieren.

Drehe dich nicht weg, sondern stelle dich bewusst dieser schwierigen Situation. Einerseits mit deiner Arbeit, andererseits aber geistig. Nimm dieses unangenehme Gefühl der Überforderung an und nutze es als Chance, daraus zu lernen. Ablenkung löst deinen Umgang mit Problemen nicht.

Denke trotz des Stresses daran, regelmäßig Pausen zu machen. Nutze diese Pausen, um deine Aufmerksamkeit auf deinen Atem zu richten. Beschalle dich nicht mit Nachrichten, Tweets, Fotos oder Videos. Mehr ist selten besser. Versuche stattdessen, deinen Geist zu beruhigen, sodass du fokussiert an deine nächste Aufgabe gehen kannst.

3. Reduziere und priorisiere

Wenn du akzeptiert hast, dass du einen Schritt nach dem anderen machen musst, kannst du nun beginnen, diese Schritte zu analysieren. Haben all diese Aufgaben wirklich die Berechtigung, dich in einen Stresszustand zu versetzen? Wie wichtig sind diese Dinge, dass sie so einen Einfluss auf dich haben?

Versuche festzustellen, ob Aufgaben dabei sind, die du jetzt gar nicht machen musst, oder die dein Geist dir nur vorgespielt hat, um deine Stresssituation zu verstärken. Möglicherweise sind ja nicht alle Aufgaben wichtig und du kannst einige weglassen oder delegieren.

Schätze ab, ob es möglich ist all die Aufgaben, die dir Stress bereiten in abschätzbarer Zeit zu erledigen. Es gibt Phasen, in denen sehr hart gearbeitet werden muss. Ich denke, dass diese Phasen aber nicht alltäglich werden sollten, sonst besteht die Gefahr, sich in einer schädlichen Ausnahmesituation zu verlieren.

Wenn du das Gefühl hast, in einigen prall gefüllten Arbeitstagen deine Aufgaben erledigen zu können, dann versuche es. Wenn aber kein Ende in Sicht ist und deine Einflüsse, also dein Chef, deine Kunden, oder deine Familie, nicht emphatisch genug sind, festzustellen, dass dir das auf Dauer sehr schadet, dann solltest du etwas verändern. Spiel nicht an der Grenze zum Burn–Out. Alleine der Weg dorthin schadet dir und den Beziehungen zu den Menschen, die dir wichtig sind.

4. Sei zufrieden und stolz

Vergiss nie, stolz auf das zu sein, was du geleistet hast. To–Do–Listen und Vorgesetzte sind oft gnadenlos. Schön, dass du die Aufgabe 142 erledigt hast, aber es liegen noch 200 vor dir. Nein, feiere jeden Schritt innerlich. Sei zufrieden, wenn du achtsam und konzentriert gearbeitet hast.

Vergiss nicht, was Laotse im Tao Te King über den neunstöckigen Turm geschrieben hat:

Ein Turm, der einmal neunstöckig werde, erhebt sich aus einem Häufchen Erde.

– Laotse, Tao Te King

Sei auf jeden einzelnen Baustein stolz, denn ohne ihn würde der ganze Turm zusammenbrechen. Wenn du die Gewohnheit entwickelst, auf deine Taten stolz zu sein, wirst du wesentlich positiver arbeiten und damit eine bessere Leistung erbringen.

Leider scheinen das die Menschen, die To–Do–Listen anderer schreiben, oft nicht zu wissen.

Biete dem Stress in deinem Kopf das Du–Wort an

Wie geht es dir in solchen Situationen? Kennst du deine körperlichen und geistigen Warnsignale und wie reagierst du darauf?

Menschen haben bereits Unglaubliches geschaffen – Schritt für Schritt. Ich bin überzeugt davon, dass du das auch kannst. Ich wünsche dir von Herzen die Energie, deine Projekte durchzuziehen, die Achtsamkeit, zu akzeptieren, dass du einen Schritt nach dem anderen machen musst und die Kraft, auf jeden deiner Schritte stolz zu sein.

Artikel von Dominik Radl



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