Warum ich Multitasking vermeide und mich auf eine Aufgabe konzentriere

Warum ich Multitasking vermeide und mich auf eine Aufgabe konzentriere
Während ich diesen Artikel schreibe ertönt eine Erinnerung auf meinem Handy. Ich checke kurz worum es geht und beginne wieder zu schreiben. Eine neue E–Mail. Das geht schnell. Während ich schreibe überlege ich mir, was ich später essen werde. Wahrscheinlich muss ich noch etwas einkaufen gehen. In diesem Artikel zeige ich dir wie und warum ich all das beendet habe.

Unsere Arbeit, einschließlich all unserer elektronischen Arbeitsgeräte, sind darauf ausgelegt, viele Dinge gleichzeitig zu können. Apps aktualisieren sich im Hintergrund und pausenlos ertönen verschiedenste Benachrichtigungen. Im Browser sind dutzende Tabs offen während wir an mehreren Dokumenten gleichzeitig arbeiten. Während einer Aufgabe kommt ein Kollege mit einer Bitte. Die Liste an Aufgaben, die heute noch erledigt werden müssen, wird immer länger, je mehr Aufgaben du erledigst.

Multitasking existiert nicht

Lange Zeit wurde die Fähigkeit zum Multitasking in den Himmel gelobt. Viele Dinge gleichzeitig zu erledigen – das ist beeindruckend.

Die Wahrheit ist, dass Multitasking ein irreführender Begriff ist. Das Gehirn führt niemals mehrere Aufgaben gleichzeitig aus. Es führt Aufgaben nacheinander aus – am Besten sehr schnell nacheinander. Die Vorstellung, wir könnten in einer gegebenen Zeit mehrere Aufgaben erledigen, die nacheinander länger als die vorhandene Zeit dauern würden ist eine Wunschvorstellung.

Das Aufteilen unserer Aufmerksamkeit auf mehrere Aufgaben bringt einige Schwierigkeiten mit sich, die das hochgelobte Multitasking stark relativieren:

  1. Das ständige Umdenken zwischen mehreren Aufgaben kostet Energie. Das bedeutet, dass zwei Aufgaben nicht jeweils 50 % der Aufmerksamkeit, sondern deutlich weniger bekommen. Der Rest unserer Energie wird für den Prozess des Umdenkens und Organisieren der zwei Aufgaben verschwendet.
  2. Mehrere Aufgaben gleichzeitig zu erledigen dauert in Summe länger als sie nacheinander konzentriert auszuführen. Sich zu fokussieren und eine Aufgabe mit voller Konzentration zu erledigen ist nicht nur angenehmer, sondern auch schneller, als zwischen Aufgaben zu wechseln.
  3. Multitasking schafft keine Einfachheit sondern Komplexität. Warum sollten wir so viel Energie verschwenden um ein viel zu komplexes Aufgabenkonstrukt aufrecht zu erhalten? Wir könnten diese Energie nutzen um die Aufgaben im Vorhinein besser zu planen und sie dann nacheinander fokussiert auszuführen. Das spart Zeit, Energie und Nerven.

Singletasking existiert auch nicht

Der Gedanke liegt nahe, sich auf nur eine einzige Sache zu konzentrieren. Allerdings müssen wir bedenken, dass das nur unter sehr seltenen Umständen möglich ist – also nicht bei der Arbeit.

Wir müssen respektieren, dass wir neben unserer vermeintlich einzigen Tätigkeit noch atmen, Hunger verspüren, möglicherweise aufs Klo müssen und eine Sitzposition halten. Das alles machen wir in jedem Moment und es beansprucht unsere Konzentration zu einem gewissen Teil.

Das können und sollen wir nicht abschalten, aber wir können uns bemühen, für unsere Aufgaben ein möglichst fokussiertes Umfeld zu schaffen, um uns nicht unnötig zu beeinflussen.

Singletasking – so gut es geht

Ich habe viele Möglichkeiten, mich selbst abzulenken eliminiert und versuche immer einer einzigen Aufgabe meine ganze Konzentration zu widmen. Ich gebe zu, dass ich nicht immer erfolgreich bin – aber ich arbeite daran, besser zu werden.

Hier sind einige Schritte, die ich gehe, um ein fokussiertes Umfeld zu schaffen und an einer Sache konzentriert zu arbeiten:

  1. Weniger Aufgaben. Eine volle To–Do Liste, deren Aufgaben nur zur Hälfte erledigt sind, bringt mir am Ende des Tages nichts. Ich nehme mir gleich im Vorhinein weniger Aufgaben vor, an denen ich dafür konzentriert arbeite. Ich schreibe mir jeden Tag die drei wichtigsten Aufgaben für den nächsten Tag auf und nehme mir jeden Tag vor, diese Aufgaben bestmöglich zu erledigen.
  2. Unterteilung. Natürlich könnte ich auf meine To–Do Liste schreiben: 1. Weltherrschaft an mich reißen, 2. Fliegen lernen, 3. Welthunger beenden. Aber ich werde es wohl nicht hinkriegen, diese Aufgaben an einem Tag abzuschließen. Deshalb unterteile ich große Aufgaben in mehrere machbare Teilaufgaben. Diese erledige ich dann nach einander.
  3. Aufgaben zu Ende bringen. Die Aufgaben sollten so gestellt sein, dass du sie von Anfang bis Ende fertig machen kannst. Wenn das nicht möglich ist, unterteile sie. Wenn ich eine Aufgabe beginne, arbeite ich so lange konzentriert daran, bis sie beendet ist.
  4. Beginne deinen Arbeitstag mit deiner ersten Aufgabe. Ich habe mir schell angewöhnt, den Arbeitstag mir allerlei Ablenkung zu beginnen. E–Mails, Nachrichten, Facebook oder Blogs – das alles hält dich von der Erledigung deiner ersten Aufgabe ab. Nimm dir Zeitfenster für all diese Tätigkeiten vor, aber arbeite als erstes an deiner ersten Aufgabe, bis sie erledigt ist.
  5. Entspannung und regelmäßige Pausen. Wenn du eine Aufgabe erledigt hast, mach eine Pause. Nicht zwei Minuten, in denen du Facebook checkst, sondern eine richtige Pause. Strecke dich, atme tief durch oder mach ein paar Kniebeugen. Öffne ein Fenster und atme frische Luft, oder geh eine kurze Runde spazieren.
  6. Den Arbeitsbereich ablenkungsfrei halten. Das gilt für den physischen Arbeitsbereich, aber auch für den digitalen. Das Kreuzworträtsel muss weichen. Die Notizen aus anderen Meetings und der ganze restliche Kram auf dem Schreibtisch hilft dir nicht bei der Erledigung deiner Aufgabe, also weg damit. Man sagt, der Desktop sei der Spiegel deine Seele. Das sagt man zwar glaube ich nicht wirklich, aber halte deinen Computer rein, um fokussiert arbeiten zu können. Benenne und organisiere Dateien und Ordner korrekt und halte deinen Desktop so leer wie möglich (meiner ist immer vollkommen leer).

Ich habe jeden Tag ein gutes Gefühl, wenn ich meine Aufgaben erledigt habe. Außerdem mache ich meine Arbeit besser, wenn ich vollkommen fokussiert daran arbeite. Lass dich nicht dazu verleiten, zu viele Aufgaben auf einmal zu erledigen – denk daran, dass du sie ohnehin nicht wirklich gleichzeitig erledigst. Du tust dir nichts gutes, wenn du deine Konzentration auf fünf Aufgaben verteilst. Erledige eine Aufgabe und erledige sie gut.

Was hältst du von Multitasking? Hast du die gleichen Erfahrungen gemacht wie ich? Schreib mir einen Kommentar mit deinen Produktivitäts-Tipps und wie du deine Aufgaben erledigst.

Artikel von Dominik Radl



Lies alle weiteren Artikel oder lass dich erinnern, wenn ein neuer Artikel erscheint. Wenn du auf der Liste bist, bekommst du jede Woche genau eine E-Mail mit den neuesten Artikeln. Außerdem beinhalten die wöchentlichen E-Mails manchmal wertvolle Inhalte nur für Abonnenten – zum Beispiel das Handbuch »Ein Jahr für Veränderer«.


Kommentare von Disqus