Zen im Selbstverständlichen finden

Zen im Selbstverständlichen finden
Wir verbringen viel Zeit damit, Dinge zu tun, die uns einem bestimmten Ziel näher bringen sollen. Wir optimieren Vorgänge und lernen ständig dazu, um uns zu verbessern und zu verändern. Ich liebe diese stetige Veränderung und strebe auch bestimmte Ziele an. Dabei sollten wir uns regelmäßig bewusst machen, dass wir alles, was wir brauchen, bereits haben.

»Mein Kontostand sagt aber etwas anderes,« könntest du sagen. Das mag richtig sein, aber anscheinend ist es für dich selbstverständlich, die Möglichkeit zu haben, deinen Kontostand überhaupt zu überprüfen.

Ich will dir erklären, worauf ich hinaus will:

Um da zu sein, wo du jetzt bist, das zu fühlen, was du jetzt fühlst und die Möglichkeit zu haben, darüber nachzudenken, sind unendlich viele Ereignisse und Fügungen notwendig. Jede einzelne Sequenz in deinem bisherigen Leben trägt zu diesem Moment bei. Positive und negative Ereignisse haben dich hierher gebracht.

Mach dir bewusst, welche Energie notwendig war, diesen Moment zu kreieren. Ich finde das beachtlich. Einen Moment inne zu halten und wertzuschätzen, was jetzt gerade ist. Was hat das mit dem Streben nach Zielen zu tun?

Ziele bringen uns manchmal dazu, der Zukunft mehr Bedeutung zu geben, als der Gegenwart. Wir streben in einem immer unvollständigen, unerreichten Zustand etwas entgegen. Kaum haben wir ein Ziel erreicht, streben wir schon wieder nach dem nächsten.

Eine Gedankenübung

In unserem ständigen Streben, irgendetwas zu erreichen, vergessen wir oft, wie viel notwendig war, um diesen Moment überhaupt möglich zu machen. Deshalb mache ich mir das ab und zu bewusst und ich will dich einladen, das auch zu tun.

Stell dir einmal vor, nichts wäre selbstverständlich.

Fang ganz grob an und denk dir, dass es nicht selbstverständlich ist, dass du irgendein technisches Gerät hast, mit dem du diesen Artikel lesen kannst. Es ist nicht selbstverständlich, dass du aus Zeichen auf einem Bildschirm einen zusammenhängenden Text bilden kannst.

Es ist nicht selbstverständlich, dass du nicht im Freien schlafen musst. Es ist auch nicht selbstverständlich, dass du genug zu essen hast, vielleicht sogar soviel, dass du Probleme damit hast, weniger zu essen.

Es ist nicht selbstverständlich, dass es Menschen gibt, die dich lieben. Es ist nicht selbstverständlich, dass du gesund bist. Auch wenn du einen Schnupfen hast, oder eine Allergie, oder dir ein Arm fehlt – es ist nicht selbstverständlich, dieses Leben zu leben.

Das geht noch weiter: Es ist nicht selbstverständlich, dass du geboren wurdest, dass es dieses eine Spermium unter vielen Millionen geschafft hat, sich durchzusetzen. Es ist nicht selbstverständlich, dass du atmest, ohne darüber nachdenken zu müssen. Es ist auch nicht selbstverständlich, dass dein Körper seine Temperatur regeln kann, dass er schwitzt, dass du Augen hast und dass dein Gehirn das spiegelverkehrte Bild, das durch diese gelangt, interpretieren kann.

Wenn du dir über all diese Dinge Gedanken machst, ist es doch irre, was du schon erreicht hast, oder? Alles darüber hinaus ist doch Luxus. Reich werden? Im Job aufsteigen? Einen kräftigen, gut aussehenden Körper haben? Ja, das ist schön und gut, aber alles was du wirklich brauchst, das hast du schon.

Was wir davon lernen können

Wenn wir uns ab und zu bewusst machen, dass wir Wunder sind und alles, was wir brauchen, schon haben, können wir wesentlich entspannter in die Zukunft blicken. Wir können einiges davon lernen:

  1. Dankbarkeit. Für jede kleine Fügung, ob wir sie aktiv gestaltet haben oder nicht, können wir dankbar sein. Was notwendig war, um uns in diese großartige und reiche Situation zu bringen, ist beeindruckend und es hat Zeit meines Lebens und vielleicht schon davor für mich gearbeitet. Dafür bin ich dankbar.
  2. Genügsamkeit. Wenn du weißt, dass du alles, was du brauchst, schon hast, was willst du dann noch darüber hinaus? Das soll nicht bedeuten, dass wir unser Leben lang faul sein sollen, weil ohnehin schon alles da ist. Wir können aber mit wesentlich weniger Druck in die Zukunft und zu unseren Zielen blicken. Alles, was wir jetzt machen ist ein Bonus, ein Upgrade. Entspann dich und gib dein Bestes – mit einem Lächeln.
  3. Achtung. Ich habe Achtung vor der Vielfalt der Dinge, die notwendig sind, um mein jetziges Leben möglich zu machen. Was ich respektiere, das behandle ich mit einer gewissen Vorsicht und es erhält einen Wert für mich. Es erinnert mich daran, respektvoll und achtsam zu handeln.

Wenn du einmal das Gefühl hast, dass du nichts erreicht hast, dass du erfolglos bist oder deinen Wert vergessen hast, dann mach dir diese Übung bewusst. Du bist unendlich wertvoll und vollständig. Was du brauchst, das hast du schon. Führe alles darüber hinaus mit Dankbarkeit, Genügsamkeit und Achtung aus.

Was sagst du dazu?

Tendierst du auch dazu, dem scheinbar Alltäglichen, oder Selbstverständlichen zu wenig Aufmerksamkeit zu widmen? Damit bist du nicht alleine.

Hat dir die Gedankenübung geholfen, oder kennst du ein anderes Mittel, um dir das Besondere in jedem Augenblick zu vergegenwärtigen?

Artikel von Dominik Radl



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