Minimalismus: Wie anfangen und wie weitermachen?

Minimalismus: Wie anfangen und wie weitermachen?
Wieviele Kartons musstest du bei deinem letzten Umzug füllen? Wenn es dir so wie mir geht, dann warst du überrascht, wieviele Dinge du eigentlich besitzt und wie wenige davon du regelmäßig verwendest. Die Einrichtung meiner Wohnung hat über einige Zeit zu einem Wendepunkt in meinem Denken geführt. Ich habe beschlossen einiges zu ändern.

Ein überbewertetes Modewort oder doch mehr?

In letzter Zeit trifft man häufiger auf den Begriff Minimalismus. Auch wenn es so wirkt ist Minimalismus nichts neues. Weder in der Ästhetik noch in der Lebensführung.

Schon seit Jahrtausenden machen sich Denker Gedanken darüber, wie einfach das Leben sein kann. Gestalter untersuchten wie viel man weglassen kann, bis nur die Essenz (oder vielleicht sogar weniger als das) überbleibt. Minimalisten wollen mit einem Minimum das damit mögliche Maximum erreichen.

In welcher Ausprägung auch immer – ich habe das Gefühl, dass Minimalismus immer das gleiche Ziel hat:

Das Ziel des Minimalismus

Die Bereiche in denen Minimalismus zur Anwendung kommt sind unbegrenzt:

  • Bildende Kunst
  • Architektur
  • Musik
  • Design
  • Fotografie

Verschiedene Arten der Lebensführung sind auch minimalistisch inspiriert:

  • Menschen, die mit einer geringen Anzahl an Gegenständen leben (z.B. die 100 Things Challenge)
  • Menschen, die auf einer sehr kleinen Fläche leben (Tiny Home/Tiny House)
  • Menschen, die sehr wenige Kleidungsstücke besitzen (z.B. Project 333)
  • Menschen, die ohne festen Wohnsitz leben und völlig entkoppelt arbeiten (Digitale Nomaden)

Wenn diese Menschen und noch viele mehr den selben Begriff teilen, müssen sie doch ein gemeinsames Ziel haben?

Ja, ich glaube es gibt ein gemeinsames Ziel und ich denke es heißt »genug«.

Genug?

Das Ziel jeder Vereinfachung ist es, einen Punkt zu erreichen, an dem mit einem Minimum an Information ein Maximum des Effekts entsteht. Genau dieser Punkt heißt genug.

Aber es geht nicht nur um den Effekt von genug, sondern sogar um dessen Ästhetik. Ich will das anhand eines Beispiels erklären:

Ich könnte mit 1.000 Pinselstrichen einen Baum malen. Unabhängig von meinen Malkünsten würde wohl jeder erkennen, dass es sich um einen Baum handelt, der Blätter hat, die abfallen, weil ein starker Wind geht.

Aber nur ein sehr geübter Maler, der das Wesen des Baumes versteht, kann all das in nur einem oder zwei Pinselstrichen darstellen.

Die Darstellung eines Baumes mit nur einem Pinselstrich nenne ich also den Effekt von genug. Die Tatsache aber, dass mein Gehirn kreativ werden muss, den Pinselstrich interpretiert, die Welt, in der sich der Baum befindet für mich aufbaut und sie mir zu spüren gibt, das nenne ich die Ästhetik von genug.

Ich denke also, dass Minimalismus nicht nur bedeutet, etwas wegzunehmen und dabei den Wert zu erhalten, sondern etwas wegzunehmen und die Möglichkeit zu haben, damit den Wert zu vervielfachen.

Aber was hat das mit meinem Leben zu tun?

Vielleicht bist du kein Maler, der den Betrachtern seiner Bilder Welten ins Gehirn zaubern will.

Aber du bist dennoch der Gestalter deines eigenen Lebens. Und damit haben wir alle die Möglichkeit, die Prinzipien des Minimalismus zu verwenden, um unser Leben wertvoller, schöner und ruhiger zu machen.

Was nett klingt ist nicht von heute auf morgen erledigt. Minimalismus ist eben keine kurzatmige Entscheidung, sondern eine nachhaltige Praxis. Wir üben jeden Tag, um uns zu verbessern. Um unserem Leben mehr Wert zu geben und unnötige Belastungen zu nehmen.

Was genau für dich »zu viel« ist musst du selbst herausfinden. Aber um zu erfahren wie sich »genug« anfühlt, oder wie es sich anfühlt zu reduzieren zeige ich dir folgendes:

5 Wege wie du diesen Tag minimalistischer machen kannst

  1. Denke darüber nach, was du heute schon getan hast. Ist etwas dabei das du öfter tust, aber dir vielleicht nicht gut tut? Nimm eine winzige Sache und entferne sie. Beispiel: Ärgere dich nicht über das Wetter wenn du aus der Türe gehst. Akzeptiere es einfach. Du kannst es nicht ändern.
  2. Geh zu deinem Kleiderschrank, suche ein einziges Stück, das du nie trägst und entferne es. Wenn es in Ordnung ist wirf es nicht in den Mistkübel, sondern bring es zur nächsten Kleidersammlung. Damit tust du dir und jemandem anderen etwas Gutes.
  3. Nimm deine nächste Mahlzeit zu dir, ohne währenddessen etwas anderes zu tun. Fernseher ab, Handy weg, Kopfhörer raus. Konzentriere dich darauf, welche Strukturen und Geschmäcker du erfühlst. Genieße den Geschmack, kaue oft und wasch deinen Teller nach dem Essen gleich von Hand ab.
  4. Verbringe eine volle Stunde ohne Unterhaltungselektronik. Lies ein Buch, unterhalte dich mit jemandem (der tatsächlich bei dir ist), meditiere, spiele ein (echtes) Spiel, …
  5. Trink den restlichen Tag nur noch Leitungswasser. Denk auch daran, wieviel Wasser du trinkst. Vielleicht fällt dir auf, dass du eigentlich nur zwei Gläser am Tag trinkst. Versuche auf ca. 2–3 Liter Wasser täglich zu kommen.

Du kannst versuchen, diese Übungen täglich zu wiederholen. Es zahlt sich wirklich aus! Die Ausführung ist supersimpel, aber der Effekt kann riesig sein:

In einem Monat bist du dir über schlechte Angewohnheiten klar geworden, hast deinen Kleiderschrank ein Stück aussortiert, isst konzentriert, lässt dich nicht von PC, TV und Internet beherrschen und trinkst mehr Wasser.

Wie geht es jetzt weiter?

Es wird hier auf supersimpel.at noch viele Beiträge zu Teilgebieten der einfachen Lebensführung geben. Dieser Artikel soll dir fürs Erste helfen, Minimalismus anders zu sehen.

Nämlich als ein Instrument, das du nutzen kannst um Wert zu erzeugen. Für dein eigenes Leben und die Menschen in deinem Umfeld.

Pick dir erstmal eine einzige Übung heraus und wiederhole sie jeden Tag. Versuche z.B. jeden Tag ab Mittag nur noch Wasser zu trinken, dafür genug davon. Oder jeden Tag ein ungetragenes Kleidungsstück loszuwerden und es Menschen zu geben, die damit mehr anfangen können.

Stell fest, wie es sich anfühlt, eine Kleinigkeit zu verändern und was die Reduktion für dein Leben bedeutet.

Wie bedeutet Minimalismus für dich?

Bist du vielleicht schon einen Schritt weiter und Minimalismus ist bereits ein Teil deines Lebens? Wie fühlt es sich an, dein Leben zu vereinfachen? Was hast du noch vor?

Bitte schreib mir deine Erfahrungen als Kommentar unter diesen Artikel, um das Leben aller Leser zu bereichern.

Artikel von Dominik Radl



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