10 Arten zu meditieren, wenn dir Sitzen zu esoterisch ist

10 Arten zu meditieren, wenn dir Sitzen zu esoterisch ist
Ich halte die regelmäßige Meditation für ein sehr hilfreiches Werkzeug zur persönlichen Entwicklung. Was östliche Kulturen schon seit Jahrtausenden wissen, stellen Wissenschaftler in unseren Breiten gerade in verschiedenen Tests und Studien fest. Doch wie kannst du die Vorteile der Meditation genießen, wenn dir das lange Sitzen auf einem Kissen einfach nicht liegt?

»Dominik, meditieren ist einfach nicht so mein Fall,« höre ich manchmal, wenn ich begeistert von meinen Erfahrungen erzähle. Zugegeben, Meditation hat irgendwie einen esoterischen Beigeschmack. Ich will das nicht abstreiten und es gefällt mir sogar. Ich meditiere ab und zu gerne im Schein einer Kerze und zünde ein feines indisches Räucherstäbchen an.

Aber nur, weil ich das persönlich gerne mag. Es bringt mich in einen angenehmen Modus. Wenn ich den Geruch des Räucherstäbchens wahrnehme, schaltet mein Geist automatisch um und wird ruhig und ausgeglichen. Ich bin mir bewusst, dass das nicht jedermanns Sache ist. In den meisten Fällen nutze ich auch keine Kerzen und Räucherstäbchen. Bei meiner morgendlichen Meditation sitze ich im Wohnzimmer auf meinem Kissen und verwende sonst nichts.

Was sind denn die vielen positiven Effekte?

Andrew Puddicombe, Gründer der Meditations-App Headspace, beschäftigt in seinem Unternehmen ein Team von Wissenschaftlern, die sich mit Meditation auseinandersetzen. Auf der Website von Headspace finden sich einige dieser positiven Erkenntnisse.

Durch regelmäßige Meditation (oder sogenannte »Übungen der achtsamkeitsbasierten Stressreduktion«) kannst du einen leichteren Umgang mit Stress und Angst lernen, die Qualität deines Schlafs verbessern, du kannst deine Beziehungsfähigkeit zu anderen Menschen stärken, dein Erinnerungsvermögen und deine kognitive Leistung steigern und du förderst dein logisches, lösungsorientiertes Denken.

Eine Frau, mit der ich einmal meditiert habe hat berichtet, bei regelmäßiger Meditation zweimal täglich für 30 Minuten, ein deutlich vermindertes Schlafbedürfnis zu haben. Diese Erfahrung kann ich nicht teilen, aber ich meditiere auch nicht so viel wie sie.

Meditations–Magie ohne Eso–Touch

Ich denke, wir können viele dieser positiven Effekte auch nutzen, wenn wir keine Zen–Meister sind. Ja, viele Stunden täglich in eine tiefe Meditation versunken zu sein ist wahrscheinlich eine intensive Erfahrung. Die besten Effekte erzielt man sicher auch mit intensiver Praxis.

Aber was, wenn wir einfach geistig zur Ruhe kommen wollen, Akzeptanz und Achtsamkeit üben wollen, ohne dabei in eine Robe zu schlüpfen und mehrere Rudraksha–Ketten um den Hals zu tragen?

Hier sind 10 Möglichkeiten zu meditieren, ohne dabei wirklich zu meditieren:

  1. Gehen. Wenn du zwei gesunde Beine hast, hält dich nichts davon ab, zu gehen. Geh ohne Ziel und ohne Erwartungen. Geh einfach. Nimm dabei jeden Schritt intensiv wahr. Richte deine Aufmerksamkeit auf den Moment und fühle die Sohle deiner Füße, die Gewichtsverlagerung, die Bewegung der Knie, die Aktivierung der Oberschenkelmuskulatur. Beobachte deine Haltung und deine Atmung. Nimm die Umgebung, in der du dich bewegst, intensiv wahr. Gerüche, Geräusche, Eindrücke. Geh, ohne darüber nachzudenken, wohin du gehst, wie schnell du gehst oder was du machst, nachdem du gegangen bist. Denke nicht an das Ankommen, denke an das Gehen.
  2. Tee trinken. Die Praxis des Teetrinkens ist tief in der japanischen und chinesischen Kultur verankert. Von der Auswahl und Zubereitung des Tees bis zum Genuss wird jeder Schritt zeremoniell ausgeführt. Heißer Tee hat eine ungemein beruhigende Wirkung auf uns. Versuche doch einmal, dir voller Achtsamkeit und Hingabe, so gut es dir möglich ist, eine Tasse Tee aufzugießen. Widme der Zubereitung deine ganze Aufmerksamkeit. Dann trinke den Tee Schluck für Schluck und nimm die feinen Nuancen wahr. Spüre, wie sich die Wärme in deinem Körper ausbreitet. Mein guter Freund Sebastian hat auf seinem Spielvogelblog einen kontemplativen Text über das Teetrinken geschrieben, den ich immer wieder lesen kann.
  3. Natur. Die Natur lädt ja direkt zur Meditation ein. Widme der Vielfalt der Natur dein ganzes Dasein. Erfahre die Natur mit all deinen Sinnen. Fühle die Ehrfurcht vor diesem komplexen, unendlich stark verbundenen System. Jeder Apfelkern trägt bereits die Lebenserfahrung ganzer Apfelbaumgenerationen in sich und hat das Potential, solche weiterzuführen. Das Wasser in den Flüssen, Seen und in der Luft reist ohne Unterlass kilometerweit um die Welt. Richte deine Aufmerksamkeit auf deinen Atem, rieche die Vielfalt, berühre den Boden und die Bäume, koste ein Gänseblümchen oder den frischen Bärlauch im Frühjahr. Achte darauf, wie sich die Luft anfühlt und wie selbstverständlich sie Samen weiterträgt, um die Bäume bei ihrer Fortpflanzung zu unterstützen.
  4. Sport. Ich habe bereits in mehreren Büchern über das meditative Moment des Laufens gelesen. Ob Ultramarathonläufer Scott Jurek, der japanische Bestsellerautor Haruki Murakami oder der britische Ausnahmesnookerspieler Ronnie O'Sullivan, sie alle haben erkannt, was es bedeutet, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Aber auch andere Sportarten erlauben es uns, in ihnen zu versinken. Jede Sportart verlangt nach Beharrlichkeit. Führe jede Bewegung mit größter Sorgfalt und Aufmerksamkeit aus. Spüre, was die Bewegungen mit dir machen, welche Sensationen sich auftun. Erfahre, wo deine Grenzen sind und setze immer einen Fuß vor den anderen.
  5. Essen. Dem Essen deine ungeteilte Aufmerksamkeit zu widmen, ist auf mehreren Ebenen wichtig. Erstens hat es diese Aufmerksamkeit verdient. Wieviele Prozesse und Vorgänge, wieviele Arbeitsstunden, wieviel Sonne, Regen und Zeit, wieviele Menschen, wieviele Maschinen waren notwendig, um dir dieses Essen zu ermöglichen? Zweitens kannst du durch achtsames Essen feststellen, wieviel wovon du wirklich benötigst. Drittens bietet sich das Essen als Meditation an. Indem du jeden Bissen fühlst und schmeckst, alles, was dazu notwendig war, wertschätzt und dich mit dem Lebensmittel verbindest, kannst du ganz im Jetzt sein.
  6. Kerze. Zünde eine Kerze an und richte deine Aufmerksamkeit auf ihre Flamme. Achte auf ihre Bewegungen. Ist sie ganz ruhig oder tanzt sie? Spürst du ihre Wärme? Wie fühlt sich der Schein für dich an? Eva von Flow & Glow hat eine Anleitung zur Lichtmeditation mit einer Kerze geschrieben. Sie beschreibt die Wirkung sogar als heilend und reinigend für die Augen.
  7. Musik. Höre dir ein Lied oder ein Album an. Höre es nicht, während du irgendetwas anderes tust. Nimm dir die Zeit und höre ganz bewusst auf die Musik. Welche Instrumente hörst du? Wie laut sind sie zu hören? Welche Klänge abseits von Instrumenten kannst du hören? Was macht die Musik mit dir? Wie fühlst du dich? Erfühle all diese Aspekte mit deiner ganzen Aufmerksamkeit. Musik hat die magische Fähigkeit, dich ganz in ihr versinken zu lassen. Lass das zu und gib dich den Klängen hin. Gute Musik erzeugt Welten, wenn du sie lässt.
  8. Warten. Wenn du das nächste Mal in einer nicht enden wollenden Warteschlange stehst, oder einige Stunden im Wartezimmer des Spitals oder beim Arzt sitzt, nutze diese Gelegenheit zu Meditation. Sei präsent und bringe dich in den aktuellen Moment. Wenn du stehst, achte darauf, wie es sich anfühlt. Wie ist deine Körperhaltung? Wie fühlen sich deine Fußsohlen an? Wenn du sitzt, fühle, wie du sitzt. Wie fühlt sich der Sessel an? Ist dein Rücken gerade oder rund? Achte auf den Geruch, achte auf die Menschen. Wie ist das allgemeine Gefühl? Liegt Stress in der Luft? Warten ist eine wunderbare Möglichkeit, sich selbst zu spüren. Lenke dich nicht mit deinem Handy oder dem Fernseher im Wartezimmer ab, sondern nutze diese Gelegenheit, dich selbst ein bisschen besser kennenzulernen.
  9. Geschirr spülen. Vom Abwaschen des Geschirrs wird schon in Zen–Texten geschrieben. Der Abwasch gehört zum Essen, genau wie der Anbau der Lebensmittel und die liebevolle Zubereitung. Wasche direkt nach dem Essen alles ab. Sei selbst in dieser ungeliebten Situation achtsam und behandle jeden Teller und jede Schüssel liebevoll. Zu lernen, sich für solche Tätigkeiten zu begeistern bringt dich weiter. Auch unangenehmen Aufgaben die volle Aufmerksamkeit widmen zu können ist eine wertvolle Fähigkeit, die es sich zu erarbeiten lohnt.
  10. Beobachten. Egal wo du gerade bist und was du gerade machst, es gibt garantiert irgendetwas zu beobachten. In der Straßenbahn oder am See, im Garten oder im Kaffeehaus. Beobachte, was gerade vor sich geht. Lenke dich nicht ab, sei präsent. Achte auf die Menschen, auf die Umgebung, auf die Luft, atme bewusst und nimm alles wahr.

Wie du siehst gibt es keine Situation, in der du nicht meditieren kannst. Warum solltest du dann grundsätzlich mit Meditation nichts anfangen können, weil du nicht gerne auf einem Kissen sitzt?

Wie meditierst du?

Denk doch einmal darüber nach, ob etwas, das du gerne tust vielleicht deine Art der Meditation ist. Schaust du gerne dem glitzernden Lichtspiel des Wassers zu? Beobachtest du das Rascheln der Blätter in deinem Garten? Gehst du gerne spazieren oder wandern, nur um einen Fuß vor den anderen zu setzen?

Vielleicht findest du deine Ruhe und deinen Zustand der Achtsamkeit in anderen Situationen als dem reinen Sitzen – lass dich darauf ein und genieße es.

Artikel von Dominik Radl



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