Woraus willst du gemacht sein?

Woraus willst du gemacht sein?
Wir sind Prozessoren dessen, was wir aufnehmen. Wenn wir etwas essen, ist es die Aufgabe unseres Körpers, das Gegessene zu verdauen und zu verarbeiten. Wenn wir etwas sehen, hören, riechen oder fühlen ist es die Aufgabe unseres Gehirns, diese Eindrücke zu verarbeiten.

Wenn wir genauer darüber nachdenken, dann sind wir ein exaktes Produkt dessen, was wir in uns aufnehmen. Ein Produkt unserer geistigen und körperlichen Nahrung. Das bedeutet wiederum, dass wir entscheiden können, woraus wir bestehen.

Jim Rohn bringt dieses Konzept auf eine soziale Ebene und sagt:

Du bist der Durchschnitt der fünf Menschen, mit denen du die meiste Zeit verbringst

– Jim Rohn

Warum gehen wir so unachtsam damit um, was wir in uns aufnehmen? Wie kann es sein, dass wir uns den ganzen Tag von inszenierten schlechten Nachrichten bombardieren lassen, warum suchen wir dramatische oder tragische Geschichten?

In der buddhistischen Lehre gibt es vier Arten von Nahrung:

  1. Essbare oder trinkbare Nahrung. Diese wird auch körperbildende Nahrung genannt. Wir entscheiden, welche Nährstoffe, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente wir unserem Körper zuführen und beeinflussen damit seine Beschaffenheit.
  2. Sinneseindrücke und Berührung. Dazu gehört alles, was wir sehen, hören, schmecken und fühlen. Wir tendieren dazu, diese Eindrücke als gut, schlecht, gemischt oder neutral zu beurteilen.
  3. Wollen und Bestreben. Das willentliche Bestreben beinhaltet all unsere Absichten. Die buddhistische Lehre geht davon aus, dass jede Absicht, auf seine eigene, oft rätselhafte Weise zum Ziel hat, Leid, Unangenehmes und Schmerz zu vermeiden.
  4. Bewusstsein. Thich Nhat Hanh spricht davon, dass wir in unserem Bewusstsein zweierlei Samen haben. Samen des Mitgefühls, der Liebe, der Vernunft und Zuneigung, aber auch Samen des Hasses, der Angst und der Verzweiflung. Es obliegt jetzt uns und unserem Bewusstsein, welche Samen wir wässern wollen und in uns wachsen lassen.

Diese vier Arten der Nahrung sind, genauso wie Körper und Geist, untrennbar miteinander verbunden und beeinflussen sich gegenseitig.

Woraus willst du gemacht sein?

Oft ist uns nicht bewusst, dass wir zu einem großen Teil entscheiden können, woraus wir gemacht sind. Wir nehmen unser Dasein als Selbstverständlich an. Dabei entgeht uns oft das Potential, das diesem Gedanken inne wohnt.

Aus welcher körperbildenden, essbaren oder trinkbaren Nahrung möchtest du gemacht sein? Wenn ich aus allem wählen kann, dann möchte ich aus frischem Quellwasser bestehen. Aus Gemüse, das zur richtigen Zeit am richtigen Ort in einem gesunden, nahrhaften Boden wächst. Aus saftigen Früchten, aus frischem Obst. Aus duftenden Kräutern und aus knackigen Kernen.

Welche Sinneseindrücke und Empfindungen sollen mich nähren? Ich möchte Farben sehen. Das Grün der Wälder und Gräser, die unendliche Vielfalt von Pflanzen und Tieren. Ich will den warmen Wind im Frühling auf meiner Haut spüren und den Duft von Pflanzen wahrnehmen, die den ganzen Winter darauf gewartet haben, jetzt wieder ihre Schönheit zum Besten geben zu können. Ich will Musik hören, Umarmungen und Küsse spüren und ich möchte Zuneigung und Vertrauen empfinden.

Welches Wollen und Bestreben soll meine Aktionen motivieren? Ich will Menschen helfen. Ich will für alle da sein, die mich brauchen und ich will unseren Planeten schützen und pflegen. Ich will Leid und Hass verhindern und Freundschaft, Liebe und Zuversicht pflegen. Ich will zeigen, dass Menschen, Tiere und Pflanzen nur miteinander können und niemals gegeneinander.

Ich möchte die Samen der Freude, Zuversicht und Liebe wässern und wachsen lassen. Ich will akzeptieren, dass mir auch der Samen des Hasses, der Angst und der Verzweiflung inne wohnt.

Warum fällt uns das so schwer?

Wow, was wäre das für ein Leben. Meinen Körper und Geist so zu nähren wäre wohl perfekt. Aber von perfekt bin ich weit entfernt. Deshalb versuche ich Schritt für Schritt diesem Ziel näher zu kommen.

Ich versuche, schlechte essbare und trinkbare Nahrung zu vermeiden. Das ist nicht immer einfach. Deshalb habe ich damit begonnen, mich an bestimmte Regeln zu halten. Ich trinke fast nur Wasser, Tee und Kaffee und esse keine Tiere. Ich möchte darauf achten, Obst und Gemüse dann zu essen, wenn es gerade von Natur aus dort wächst, wo ich mich gerade aufhalte.

Diese Bestrebungen sind Wege – Schritte in die richtige Richtung. Fertigprodukte, Glashäuser und globale Lebensmitteltransporte machen es einfach, immer alles in sehr schlechter Qualität zu konsumieren. Deshalb versuche ich, achtsam mit meiner Nahrung umzugehen.

Ich versuche, schlechte Sinneseindrücke und Erfahrungen zu vermeiden. Schlechte Erfahrungen zu vermeiden heißt nicht, nicht scheitern zu wollen. Es bedeutet, dass ich acht gebe, mit welchen Menschen ich mich umgebe und welche geistige Nahrung ich konsumiere. Unterhaltungen, Musik und Bücher nähren meine Gedanken.

Ich versuche vorsichtig zu sein, wenn ich Nachrichten lese und mich über aktuelle Themen informiere. Nachrichten sind oft so aufgebaut, dass sie den größten Teil der Menschen ansprechen und dazu gehört leider eine Menge negative Emotion. Trotzdem möchte ich über aktuelle Themen Bescheid wissen und meine Meinung haben. Ich achte nur darauf, nicht von negativen Nachrichten und Kommentaren eingenommen zu werden.

Mein Wollen und Bestreben motiviert die meisten meiner Taten – auf meine Art und Weise. Ich bin immer auf der Suche nach meinem authentischen Weg, meine Absichten zu verwirklichen. Auf dem Weg dorthin versuche ich, meine Taten immer durch mein positives Wollen zu motivieren.

Woraus willst du gemacht sein?

Führe dir einmal diese Möglichkeit vor Augen. Du kannst bestimmen, was du bist. Mach dir ein paar Gedanken darüber, aus welcher essbaren Nahrung, aus welchen Empfindungen und Sinneseindrücken, aus welchem Bestreben und Bewusstsein du gemacht sein willst.

Dann überlege dir Wege, wie du dein Leben damit in Einklang bringen kannst und gehe diese Wege Schritt für Schritt. Vielleicht möchtest du mir von deinen Erfahrungen mit diesem Thema erzählen. Hast du dich schon einmal in diesem Licht betrachtet? Was hat sich für dich verändert?

Artikel von Dominik Radl



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