Was ist FOMO und wie werden wir sie los?

Was ist FOMO und wie werden wir sie los?
FOMO ist die dunkle Macht, die uns an unsere Smartphones bindet. Sie ist der Grund, warum in Restaurants Handys läuten. Sie ist der Einfluss, durch den Restaurantbesucher auch noch abheben und lauthals telefonieren.

Wann warst du das letzte Mal mit Freunden in einer Bar, ohne dass neben den Getränken auch noch unzählige Handys am Tisch lagen? Mir geht es meistens so. Wenn nicht am eigenen Tisch, dann auf jeden Fall nebenan. Kennst du dieses Bild eines feierlich gedeckten Mittagstisches, auf dem neben fast jedem Teller auch noch ein Smartphone liegt?

Warum ist uns die permanente Anwesenheit unseres Handys so wichtig? Was ist das für eine neue Art der Hassliebe, mit der wir digitalen Geräten begegnen? Wollen wir nun unabhängig und frei oder von einem Gadget an der kurzen Leine gehalten werden?

Dieses Phänomen hat einen Namen: FOMO. Die Angst, etwas zu verpassen (fear of missing out) dominiert unsere Aufmerksamkeit. Wir sind immer reaktiv, immer bereit. Dass das nicht besonders gut sein kann, ist wohl den meisten klar. Aber was tun?

Woher kommt FOMO?

Wie kann es sein, dass wir das Gefühl haben, etwas zu verpassen, wenn wir nicht in regelmäßigen Abständen auf unser Smartphone schauen, E–Mails abrufen und mehrere Netzwerke auf Neuigkeiten überprüfen? Hatten die Menschen vor 20 Jahren auch schon Angst, etwas zu verpassen? Haben sie damals ständig in Zeitungen oder ins Fernsehen gestarrt?

Apps und Netzwerke zu entwickeln, die süchtig machen ist mittlerweile eine eigene Wissenschaft. Es gibt Menschen, die sich damit befassen, welche Information wie aufbereitet werden muss, um uns 24 Stunden am Tag das Gefühl zu geben, noch nicht alles gesehen zu haben.

Wie oft war das, was du in Facebook gesehen hast, während du am WC warst, wirklich so wichtig, dass es nicht hätte warten können? Welche E–Mail muss unbedingt während des Abendessens abgerufen werden?

Sind die Smartphones schuld?

Menschen tendieren gerne dazu, einen Schuldigen zu suchen. Sind die bösen Entwickler der Apps schuld? Sind die Menschen schuld, die uns spät Abends anrufen oder uns mitten in der Nacht E–Mails schreiben? Sind die Smartphones schuld, oder das freie WLAN in den Lokalen?

Ich denke, einen Schuldigen zu suchen macht überhaupt keinen Sinn. Gehen wir doch einmal einen Schritt zurück. Das ganze Thema ist meiner Meinung nach eine Frage von Werkzeug und Anwender.

Große Firmen entwickeln Netzwerke und wollen damit Geld verdienen. Sie sind also Anwender. Um Geld zu verdienen müssen sie unweigerlich mit einer Menge Menschen zu tun haben. Diese Menschen sind also das Werkzeug, das sie brauchen, um Geld zu verdienen.

Smartphones, Netzwerke, Anrufe und E–Mails können jeweils die Rolle des Werkzeugs oder des Anwenders einnehmen. Du selbst entscheidest, welche Rolle du haben möchtest.

Lass dich nicht von der Technologie benutzen. Benutze die Technologie. Dazu gehört auch, klare Regeln festzulegen. Du musst wissen, in welcher Rolle du bist. Agierst du, weil du schon konditioniert bist, nervös zu werden, wenn dein Handy vibriert? Nimm die Rolle des Anwenders ein und entscheide selbst, wann du Zeit für Anrufe, Netzwerke und E–Mails hast.

Technologie ist ein guter Diener, aber ein schlechter Meister

– Gretchen Rubin

Aktionsplan: Wie werde ich FOMO los?

Wenn du immer in einem reaktiven Zustand bist, verpasst du einiges. Es ist, als würde die Zeit, in wir in unsere Smartphones starren, einfach verloren gehen. Was außerhalb des digitalen Geschehens passiert, bekommen wir fast gar nicht mit.

Hier sind einige Schritte, die mir helfen, nicht das Werkzeug, sondern der Anwender zu sein:

  1. Akzeptiere, dass du nicht alles wissen musst. Wir müssen uns von dem Bestreben verabschieden, alle Timelines und Stories zu kennen. Sie sind genau so aufgebaut, dass wir ewig weitersuchen können. Lerne, Nein zu sagen. E–Mails müssen nicht sofort beantwortet werden und Anrufe müssen nicht immer entgegengenommen werden. Dein Leben außerhalb des Smartphones ist wichtiger, also lass dich nicht aufhalten. Wenn etwas wirklich Wichtiges passiert, wirst du es schon erfahren. Vertraue darauf.
  2. Widerstehe dem Drang, immer zu reagieren. Es gibt Experimente, die zeigen, wie sehr sich der Puls erhöht, je länger die Probanden nicht auf ihr läutendes oder vibrierendes Handy reagieren durften. Spätestens jetzt bemerkst du, dass das Problem nicht das Smartphone hat. Es hat keinen Puls. Stress und Angst werden von uns selbst ausgelöst. Wir machen uns selbst den Druck, auf alles reagieren zu müssen. Lass einfach los. Reagiere später. Das ist Übungssache.
  3. Lege Zeiten fest. Wenn es wirklich wichtig ist, kannst du deine E–Mails morgens, mittags und abends abrufen. Morgens und mittags sollte eigentlich reichen. Es ist in Ordnung, vor neun Uhr vormittags und nach fünf Uhr nachmittags nicht mehr zu telefonieren. Lege ein paar Slots für soziale Netzwerke fest. Die genaue Uhrzeit oder Dauer ist weniger wichtig, als die Disziplin, in der Zwischenzeit wirklich nicht auf das Smartphone zu sehen.
  4. JOMO – Genieße die Freiheit. JOMO ist die Freude, etwas zu verpassen (joy of missing out). Das ist die exakte Gegenbewegung zu FOMO. Es ist nicht nur in Ordnung, etwas zu verpassen, es kann sogar gut sein. Vielleicht hast du mit deinen Freunden mehr zu besprechen, wenn du nicht schon alles aus Facebook weißt. Vielleicht bemerkst du, dass der Frühling begonnen hat, weil du die ersten Blumen siehst und nicht weil es die Instagram–Fotos zeigen.
  5. Mach dein non–digitales Leben großartig. Arbeite nicht an einem perfekten Feed, sondern an einem aufregenden Leben. Wenn dein Leben so ereignisreich ist, dass du gar keine Lust hast, deine Zeit in Netzwerken zu verschwenden, dann werden sie dir auch nicht fehlen. Falls du Zeit für Internetaktivitäten eingeplant hast, kannst du ja dann schöne Fotos von deinem echten, analogen Leben posten.

Hast du Angst, etwas zu verpassen?

Kennst du dieses zwanghafte Verhalten? Hast du in diesem Artikel vielleicht ein bisschen mehr darüber erfahren, warum du das Gefühl hast, immer reagieren zu müssen?

Entspann dich, dein Leben findet in der Realität statt. Lass dir nicht deine Zeit oder Aufmerksamkeit nehmen, das ist es nicht wert.

Artikel von Dominik Radl



Lies alle weiteren Artikel oder lass dich erinnern, wenn ein neuer Artikel erscheint. Wenn du auf der Liste bist, bekommst du jede Woche genau eine E-Mail mit den neuesten Artikeln. Außerdem beinhalten die wöchentlichen E-Mails manchmal wertvolle Inhalte nur für Abonnenten – zum Beispiel das Handbuch »Ein Jahr für Veränderer«.


Kommentare von Disqus