Wenn nichts läuft, wie es soll – Erlaube dir eine Ausnahmesituation

Wenn nichts läuft, wie es soll – Erlaube dir eine Ausnahmesituation
Vor ein paar Tagen hat mein Laptop den Geist aufgegeben. Das ist schlecht, wenn man bedenkt, dass ich meinen Laptop zum Arbeiten brauche. Mich hat dieser Zwischenfall ein bisschen zurückgeworfen, aber sonst kaum beeinflusst. Wenn mir früher eine solche Situation widerfahren ist, habe ich noch ganz anders reagiert. Was habe ich verändert?

Dass technische Geräte irgendwann streiken ist vorprogrammiert. Motoren können plötzlich nicht mehr anspringen oder Gasthermen können ihren Dienst verweigern. Jedes Mal wenn ein solches Ereignis eingetreten ist – es war nicht oft, aber oft genug – hat mich das für einige Zeit aus der Bahn geworfen.

Heute gehe ich anders mit diesen Situationen um. Sie beeinflussen mein Befinden nicht mehr und ich akzeptiere, dass so etwas passieren kann. Wie weitreichend die Folgen dieses Umgangs sind, möchte ich dir beschreiben.

Mit unvorhergesehenen Situationen umgehen

Ich denke, wir haben grundsätzlich zwei Möglichkeiten, um mit diesen Zwischenfällen umzugehen:

  1. Destruktiv
  2. Konstruktiv

In beiden Möglichkeiten ist die Ausgangssituation die Gleiche: Irgendein unvorhergesehener Zwischenfall hindert uns daran, zu tun, was wir tun möchten oder müssen. Er zwingt uns zu einer Pause.

Das muss kein kaputter Laptop sein, diese gezwungene Pause lässt sich auf viele Situationen anwenden.

  • Du bist krank. Natürlich hast du viel vor. Du musst arbeiten, hast Freizeitpläne, vielleicht einen wichtigen Termin. Dann streikt dein Körper und zwingt dich auf eine sehr unangenehme Art und Weise, inne zu halten. Jede überflüssige Aktion wird bestraft. Es fällt uns oft nicht leicht, nachzugeben und wirklich Pause zu machen.
  • Du hast dich verletzt. Möglicherweise hast du bald ein Fußballspiel, einen Lauf oder einen Wettkampf. Plötzlich schmerzt das Knie oder das Fußgelenk. Wieder wirst du dazu gezwungen, mehrere Gänge zurückzuschalten. Dich trotzdem zu belasten und diese Warnsignale zu ignorieren kann verheerend sein.
  • Ein Plan geht nicht auf. Du arbeitest an einem Projekt oder einer Business–Idee. Deine Grundlage ist aufgesetzt und du wartest nur noch, bis sich die einzelnen Teile zusammenfügen. Doch das passiert nicht – dein Plan geht nicht auf. Beteiligte tun ihren Dienst nicht, Dienstleister streiken, technische Gerätschaften geben ihren Geist auf. Du bist von außen gezwungen, inne zu halten.

Eine Möglichkeit wählen

Ich habe vorhin erwähnt, dass wir meistens entweder konstruktiv oder destruktiv auf solche Situationen reagieren.

Die destruktive Möglichkeit wäre, einen Verantwortlichen zu suchen, zu wüten, sich dem Ärger hinzugeben und damit Zeit und Energie zu verschwenden. Es mag übertrieben klingen, aber ich habe an mir selbst oft genug beobachtet, wie diese Möglichkeit die Standardreaktion auf unvorhergesehene Situationen war. Was auch immer passiert ist – irgendjemand muss doch schuld sein.

Ich denke, seinen Emotionen oder seinem Groll in einem gewissen Rahmen freien Lauf zu lassen, muss nicht schlecht sein. Das Problem ist, dass destruktive Gedanken und Gefühle unsere Fähigkeit, konstruktive Lösungen zu finden beeinträchtigen. Sie belegen quasi einen Teil unseres Hirns und Herzens und blockieren uns bei der Lösungsfindung.

Diese Gefühle nicht aufkommen zu lassen ist sicher klüger, als sie zu unterdrücken. Das muss jedoch geübt werden und ich habe die Erfahrung gemacht, dass das mit positiver Bestätigung am besten funktioniert. Damit meine ich, dass jede Situation, in der du mit weniger Ärger und Zorn reagierst, dazu beitragen wird, dass es dir nächstes Mal ein bisschen leichter fallen wird, nicht mit Ärger und Zorn zu reagieren.

Ich versuche also, Ärger nicht aufkommen zu lassen und die konstruktive Möglichkeit zu wählen. Was bedeutet das? Die konstruktive Lösung mit dem unmittelbarsten Erfolg ist wohl, ins nächste Geschäft zu marschieren und ein neues Gerät zu kaufen.

Das löst zwar dein akutes Problem, schult aber nicht deinen Umgang mit schwierigen Situationen. Abgesehen davon kann die Möglichkeit im Falle eines Autos sehr kostspielig sein.

Wenn wir uns an die Möglichkeiten erinnern, in denen unser Körper uns zu einer Pause zwingt, ist es also auch nicht immer möglich, sich aus dieser Situation »heraus zu kaufen«. Da bleibt uns nur der konstruktive Umgang mit der Situation.

Wenn du zu einer Pause gezwungen bist – der konstruktive Plan

Abgesehen von unserem emotionalen Umgang mit dem Problem macht es Sinn, sich einen Plan zu überlegen. Ich habe folgende Schritte benutzt, um die Situation sogar zu meinen Gunsten nutzen zu können.

  1. Ich akzeptiere, dass ich gerade nichts tun kann. Ja, diesen Punkt habe ich in den letzten Absätzen schon durchgekaut. Ich erwähne ihn noch einmal, weil er so wichtig ist. Nur zu sagen, dass einem die Hände gebunden sind ist nicht dasselbe wie tatsächlich zu akzeptieren, dass wir gerade nichts tun können. Diese Hilflosigkeit zuzulassen und anzunehmen. Dein Knöchel ist verstaucht? Okay, akzeptiere, dass du gerade nicht trainieren kannst. Nimm an, dass du nicht an dem Wettkampf teilnehmen wirst.
  2. Ich mache einen Lösungsplan. In meinem Fall habe ich mir überlegt, welchen Laptop ich kaufe und wo ich ihn kaufe. Damit hat sich auch zeitlich ein ungefährer Plan ergeben. Im Falle des Knöchels kannst du dir überlegen, wie eine Therapie aussehen kann. Verwendest du eine Salbe oder machst du leichte Übungen? Im Falle eines Projekt, das nicht läuft, kannst du dir überlegen, an welchen Schrauben du ansetzen kannst, um zu erreichen, was du möchtest. In beiden Fällen ergibt sich daraus auch ein ungefährer zeitlicher Plan.
  3. Solange du nichts tun kannst – setze alles für den Start auf. Ich habe meine Daten aufbereitet und Listen geschrieben, um das Aufsetzen des neuen Computers kurz zu halten. So kann ich sofort wieder meine Arbeit aufnehmen. Im Fall des Knöchels kannst du dir einen Trainingsplan ausarbeiten, der dich langsam wieder zurück zu deiner Leistung bringt. Wenn du krank bist kannst du ohne großen Aufwand deine Projekte und To–Dos anpassen und starten, wenn du wieder vollständig genesen bist.
  4. Nutze die Pause zu deinem Vorteil. Dieser Punkt ist der schönste. Ich musste wirklich lernen, diese scheinbar vergeudete Zeit für mich zu nutzen. Du kannst es als einen Urlaub sehen, zu dem du gezwungen wirst. Vielleicht musst du deinen Urlaub im Bett verbringen, mit einem Verband am Bein oder ohne Laptop. Zu überlegen, was du machen würdest, wenn du jetzt gerade Urlaub hättest kann dir aber helfen, dir etwas Gutes zu tun.

Die Zeit, in der du verhindert bist, mit Ärger oder gekünstelter Geschäftigkeit zu verschwenden macht keinen Sinn. Ich habe die Zeit mit folgenden Dingen verbracht:

  • Meditieren. Das tut immer gut und hilft mir, das Gute in der Situation zu sehen.
  • Sport. Das geht natürlich nicht, wenn du einen verstauchten Knöchel hast, aber in meinem Fall konnte ich die Zeit dafür nutzen.
  • Lesen. Ich habe ein ganzes Buch gelesen, weil ich nicht das Gefühl hatte, immer abrufbereit sein zu müssen.
  • Online–Kurse. Meine Online–Kurse kann ich auch über das Handy ansehen. Es fällt mir leichter, mich auf die Inhalte zu konzentrieren, wenn ich weiß, dass ich die Zeit nicht von meiner Arbeit abziehe.
  • Freunde. Ein gemütlicher Kaffee in einem schönen Lokal oder ein spontaner Abend – Freunde sind die schönste Art, seine Zeit zu verbringen.

Verbringe die Zeit mit etwas, das dich weiterbringt. Du musst dich nicht bilden, du kannst dich auch um deinen Körper kümmern. Koche dir etwas gesundes, trinke viel Wasser und Tee, schlafe gut, auch untertags.

Du wirst bemerken, dass diese erzwungene Pause eigentlich genau das war, das du gebraucht hast. Ein Leben auf der Überholspur hat seinen Preis. Dein Körper und dein Geist holen sich ihre Regeneration – oft auf sehr unangenehme Art und Weise.

Wahrscheinlich hat nicht mein Geist den Laptop kaputt gemacht, aber Krankheit oder körperliche Beschwerden sind oft Überlastungssignale. Beschwere dich nicht darüber, sondern sei dankbar. Würden uns Körper und Geist nicht warnen, wenn es eng wird, hätten wir wahrscheinlich bald viel größere Probleme.

Wie gehst du mit unvorhersehbaren Situationen um?

Kennst du diese Situationen überhaupt, wenn du gezwungen bist, eine Weile inne zu halten? Lässt du diese Pause zu, oder versuchst du auch dann noch zu geben, was möglich ist?

Was hältst du von meiner Art, achtsam mit diesen Pausen umzugehen, sie zu akzeptieren und für dich zu verwenden, anstatt deine Energie zu verschwenden und dich darüber zu beschweren?

Artikel von Dominik Radl



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