Wie du Wenig erreichst

Wie du Wenig erreichst
Wie du vielleicht schon bemerkt hast, halte ich Dinge gerne simpel. Ich bin überzeugt davon, dass es gut tut, sich damit zu beschäftigen, was wirklich wichtig ist. Für mich hat diese Suche kein Ende, sie ist eine ewige Reise. In diesem Artikel möchte ich dir beschreiben, warum ich mich dazu entschlossen habe, Wenig zu wollen.

Was es bedeutet, Wenig zu wollen

Wenig zu wollen bedeutet für mich herauszufinden, was wirklich wichtig ist. In weiterer Folge bedeutet es, das was wichtig ist in vollen Zügen genießen zu können, es wertzuschätzen und zu lieben. Diese drei Prinzipien beschreiben meine Einstellung dazu:

  • Weniger haben, mehr sein. Viele Menschen definieren sich dadurch, was sie haben. Vielleicht macht das jeder bis zu einem gewissen Grad. Ein tolles Auto, ein schönes Haus oder teure Kleidung. Aber ist es das, was einen Menschen ausmacht? Sollten wir uns nicht die Frage stellen, was überbleibt, wenn man all diese Gegenstände wegnimmt? Was für mich zählt, ist die Substanz. Sich durch sein Dasein selbst zu definieren, ein Mensch zu sein, der Geschichten zu erzählen hat, der aufrichtig ist und der wahre Freunde hat.
  • Weniger, aber besser. Dieses Prinzip stammt von Dieter Rams, dem deutschen Industriedesigner, der ab den Sechzigerjahren Gestalter der ikonischen Haushalts– und Elektrowaren der Firma Braun war. Ihm war klar, dass die Reduktion auf das Wesentliche keineswegs bedeutet, einfach das Meiste wegzulassen. Klarheit und Einfachheit zu schaffen ist schwierig, birgt aber das Potenzial, die Funktion besser zu machen.
  • Liebe Menschen, benutze Gegenstände. Das Gegenteil funktioniert nie. Dieser Satz stammt von The Minimalists. Wenn ich Videos von Menschen sehe, die in Tränen ausbrechen, wenn sie sich ein neues iPhone kaufen, frage ich mich, wie diese Menschen ihre Liebe handhaben. Minimalismus hängt für mich auch damit zusammen, wie man mit Menschen umgeht. Zu erkennen, dass nicht Produkte und Gegenstände das Wichtigste sind, sondern Menschen und Erlebnisse, das schafft einen neuen Sinn für Wert.

Wovon können wir weniger haben?

Wenn ich dir vermitteln konnte, dass ein leichtes Leben, ohne viel Ballast genussvoll, reichhaltig und wertvoll sein kann, fragst du dich vielleicht, wovon wir weniger haben können. Eine minimalistische Einstellung ist überall anwendbar, hier sind ein paar Bereiche aus dem täglichen Leben:

  • Gegenstände. Meistens häuft sich über längere Zeit ganz schön viel Kram an. Ob du es merkst oder nicht, meistens wirkt ein Großteil davon belastend auf uns. Es kostet eine Menge Geld, um all das anzuschaffen, Aufwand, um es zu warten und Platz, um es zu verstauen.
  • Kleidung. Viele Kleiderschränke sind zum Bersten gefüllt. Fühlst du dich in all deinen Kleidungsstücken wohl? Trägst du alles regelmäßig? Wie würde es sich anfühlen, nur noch Lieblingsstücke zu besitzen? Jedes Stück passt dir perfekt, ist von hoher Qualität und du freust dich immer, es zu tragen.
  • Tätigkeiten. Weniger zu machen ist befreiend. Weniger zu machen bedeutet nicht, faul zu sein. Nimm dir bewusst Zeit für dich und genieße es, nicht von Termin zu Termin zu hasten – auch wenn die Termine schön sind.
  • Ablenkungen. Wenn du es geschafft hast, dir Zeit zu nehmen, wie nutzt du sie dann? Ich bemerke bei mir selbst, dass ich mir freie Zeit oft vertreibe. Sinnloses scrollen in sozialen Netzwerken oder zum fünften Mal die gleiche Folge im Fernsehen ansehen. Genieße es, Zeit zu haben und sie nicht vertreiben zu müssen. Freie Zeit ist etwas Schönes und sollte nicht mit allen Mitteln vertrieben werden müssen.
  • Verpflichtungen. Befreie dich von Verpflichtungen, denen du innerlich gar nicht nachkommen möchtest. Es ist in Ordnung, seine Prioritäten zu ändern. Wenn es dich belastet, tritt aus einem Verein aus, beende den Buchclub, oder sage Nein zu belastenden Beziehungen, die dich nur Energie kosten.

Was bringt mir das?

Ich denke, alles im Leben ist bestrebt, in einer gewissen Balance zu bleiben. Diese Annahme hat sich in meinem Leben schon oft bewahrheitet. Immer, wenn ich etwas entferne, das mich belastet, bekomme ich im selben Ausmaß etwas Positives zurück.

Gegenstände, Kleidung oder Verpflichtungen zu reduzieren hat einen positiven Effekt auf dein Leben. Die Möglichkeiten, wie sich dieser Effekt äußert, sind vielfältig:

  • Weniger Angst. Wenn du dich damit anfreundest, weniger zu haben und zu wollen, lebst du bewusster. Du verlierst die Angst, etwas zu verpassen, oder etwas nicht zu haben, wenn du es doch einmal brauchst. Du verlierst auch die Angst, Menschen würden dich weniger respektieren oder nicht ernst nehmen.
  • Weniger Stress. Viel Kram zu besitzen bedeutet meistens, öfter aufräumen zu müssen. Vielleicht haben die meisten Gegenstände gar keinen festen Platz, sondern liegen immer herum. Viele Gegenstände müssen gepflegt werden, zu viel Kleidung muss in einen engen Kasten gequetscht werden.
  • Weniger Entscheidungen. Weniger Kleidung bedeutet, jeden Tag etwas zu tragen, das einem passt und in dem man gut aussieht. Langes Anprobieren und Unzufriedenheit in der Früh fallen weg. Weniger Auswahl bedeutet weniger Entscheidungen. Weniger Entscheidungen bedeuten mehr Freiheit im Kopf.
  • Weniger Ausgaben. Dem ist wenig hinzuzufügen. All die Gegenstände und Kleidungsstücke kosten Geld. Viele Dinge nicht zu kaufen gibt dir die Möglichkeit, für die Dinge, die du wirklich brauchst, mehr Geld ausgeben zu können. Weniger, aber besser ist das Motto.
  • Weniger Abhängigkeit. Wenn du dich nicht mehr dadurch definierst, was du besitzt, wirst du unabhängig. Es muss dann nicht immer das neueste iPhone oder das schnellste Auto sein. Es reicht, wenn deine Wohnung oder dein Haus groß genug ist, aber nicht größer.

Wenn die Theorie, dass alles in Balance ist, stimmt, dann erzeugt jedes Weniger ein Mehr von etwas anderem. Für mich hat sich diese Theorie schon oft als wahr erwiesen.

  • Mehr Genuss. Nur noch Dinge zu haben, die dein Leben besser machen ist großartig. Die Zeit und das Geld zu gewinnen, tolle Dinge zu unternehmen gibt dir die Möglichkeit, dein Leben in vollen Zügen zu genießen.
  • Mehr Zeit. Wenn du dich nicht mehr um so viele Verpflichtungen kümmern musst, gewinnst du eine Menge Zeit. Du musst diese Zeit nicht zwangsweise ausfüllen, genieße einfach die freie Zeit an sich.
  • Mehr Wert. Genau zu wissen, was für dich wichtig ist, macht diese Dinge für dich wertvoll. Die Zeit zu haben, etwas Schönes zu erleben oder die Menschen zu sehen, die mir wichtig sind, ist für mich wertvoll.
  • Mehr Freude. Zu reduzieren, etwas Sinnvolles zu tun, Zeit zu gewinnen, Geld zu sparen, unabhängiger zu werden, mit tollen Menschen zu sprechen, etwas zu unternehmen – all diese Dinge machen mich glücklich und ich bin dankbar für jede Sekunde.

So erreichst du Wenig

Jetzt weißt du, warum mir Wenig so wichtig ist. Ich habe in den letzten Jahren schon einiges reduziert und bin sehr glücklich damit. Hier sind einige Tipps, wie du Wenig erreichst und Schritt für Schritt ein einfacheres Leben erhältst:

  • Werde Kram los. Es gibt viele Möglichkeiten, Dinge, die du nicht mehr brauchst, loszuwerden. Die letzte Möglichkeit ist, sie wegzuwerfen. Für mich ist der erste Schritt meistens in meiner Familie und meinem Freundeskreis zu fragen, ob jemand das Produkt brauchen kann. Wenn nicht, dann entscheide ich, ob ich es direkt spende, oder verkaufe. Ich inseriere es online und warte einige Zeit. Wenn über einen längeren Zeitraum niemand das Produkt kaufen will, spende ich es.
  • Verhindere Impulskäufe. Das gilt nicht nur für den Lebensmitteleinkauf. Nimm wahr, wenn du das Verlangen entwickelst, etwas zu kaufen. Mach dir bewusst, dass dieses Verlangen kein Befehl ist. Du hast immer die Möglichkeit, Nein zu sagen. Überlege dir, ob du das Produkt wirklich brauchst, oder ob du es nur kurzfristig haben willst.
  • Lerne, zu genießen. Übe, Momente genießen zu können. Sei im Moment und erkenne den Moment als genug. Die Fähigkeit, das Leben genießen zu können ist unendlich wertvoll. Wir sollten sie also so oft wie möglich üben.
  • Definiere ein Limit. Das muss nicht unbedingt eine Zahl sein. Du kannst zum Beispiel die Regel aufstellen, für jedes neu gekaufte Produkt zwei alte zu spenden. Leo Babauta von zenhabits.net möchte nur so viel Kleidung besitzen, wie er in einem Rucksack unterbringen kann.

Was hältst du davon?

Hast du dir schon einmal Gedanken darüber gemacht, was du wirklich in deinem Leben brauchst? Wie ist deine Einstellung dazu? Schreib mir doch einen Kommentar mit deiner Meinung und ob du schon dabei bist, zu reduzieren und Wenig zu wollen.

Artikel von Dominik Radl