Veränderungen ihr schlechtes Image nehmen

Veränderungen ihr schlechtes Image nehmen
Alles ist immer im Wandel. Nichts steht still. Jedes Objekt und jeder Vorgang im Universum ist einer stetigen Veränderung ausgesetzt. Das Universum als solches kann nur deshalb existieren, weil es sich immer verändert. Warum tun sich also so viele Menschen so schwer, etwas zu verändern?

Mir fällt auf, dass Veränderung meistens negativ behaftet ist. Ein Job–, oder Wohnungswechsel, das Ende einer Beziehung oder Partnerschaft, selbst ein neues Aussehen ist für uns sehr schwer umzusetzen.

Wir wissen uns gerne in einem »sicheren Hafen«. Wir lieben die Komfortzone. Wir haben es gerne, wenn wir wissen, was in Zukunft passiert, wann und warum es passiert. Wir denken, so hätten wir mehr Kontrolle über den Lauf des Lebens.

Faktisch spielt uns unser Komfortdenken aber einen Streich. Logisch betrachtet haben wir keine Ahnung, was in Zukunft passiert. Was wir versuchen mit Verträgen und Abhängigkeiten auf Dauer zu binden, verliert spätestens dann seine Wertigkeit, wenn Persönlichkeit, Emotion oder Gesundheit ins Spiel kommen.

Was bringt dir dein fixierter Dienstvertrag für die nächsten fünf Jahre, wenn du deine Kollegen hasst? Diese Sicherheit, die wir uns so sehr wünschen, ist meistens eine Illusion.

Ich denke, wir können zwar versuchen, ein Umfeld zu schaffen, das möglichst konstant und stabil erscheint, was uns aber wirklich glücklich macht und unser Leben wahrlich und vielfältig bereichern kann, ist die Fähigkeit, Veränderung zu akzeptieren. Besser noch: Veränderung zu nutzen!

Das fällt uns leider oft ziemlich schwer. Wenn man sich so manche in Schieflage geratene Beziehung oder das eine oder andere belastende Dienstverhältnis ansieht, wird klar, was uns vor Veränderung abhält: Unsicherheit.

Unsicherheit als Blockade

Es ist erstaunlich, was Menschen Tag für Tag in Kauf nehmen, um Veränderungen möglichst aus dem Weg zu gehen. Sie werden in der Arbeit oder Beziehung mies behandelt, sind unzufrieden mit der Karriere oder dem aktuellen Lauf des Lebens, bemerken jeden Tag aufs Neue, dass etwas einfach nicht stimmt.

Das Leben gehört dem Lebendigen an, und wer lebt, muss auf Wechsel gefasst sein.

– Johann Wolfgang von Goethe

Den Job kündigen – aber was passiert dann? Die Beziehung beenden – und jetzt? Die Wohnung aufgeben, eine neue berufliche Laufbahn einschlagen, seinen Lebensstil verändern, Freundschaften gehen lassen, neue Freundschaften entwickeln.

Was uns davon abhält, all das zu tun ist die Unwissenheit, was dann passiert. Möglicherweise mache ich ja einen Fehler – Menschen machen Fehler. Wird mir meine neue Zukunft gefallen – gefällt dir deine Gegenwart? Aber ich weiß doch gar nicht, was dann passiert – das weißt du jetzt auch nicht.

Wir glauben zwar zu wissen, wie die Zukunft aussieht, denn wir tun alles dafür, diesen Anschein zu erwecken, in Wirklichkeit ist aber jedermanns Zukunft genau das: Nicht die Gegenwart.

Veränderung als Chance

Wir tendieren dazu, Veränderung mit gescheiterten Wegen in Verbindung zu bringen. Wie wäre es, wenn du Scheitern und Veränderung nicht als etwas Negatives betrachten würdest, sondern als Chance?

Vielleicht hilft dir ein neuer Blickwinkel, Veränderungen positiver zu sehen. Gehe davon aus, dass sich alles immer verändert. Dass du dich und dein Leben also auch immer verändern musst, um ein scheinbar konstantes Leben zu führen.

Diese stetige Veränderung wird also nicht herbeigeführt sondern einfach nur angenommen und zum eigenen Vorteil verändert. Diese Sicht nimmt das Gewicht von Veränderungen. Du hast keine Ahnung, was morgen ist. Ob du nun diese Veränderung machst, oder nicht.

Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen.

– Chinesisches Sprichwort

Versuche, auch das Resultat der Veränderung variabel zu sehen. Nur weil du heute eine Veränderung machst bedeutet das nicht, dass es nie wieder ein Zurück oder weitere Veränderungen gibt. Es ist nur ein kleiner Schritt der langen Reise, die dein Leben darstellt.

Wie können wir mit Veränderung umgehen?

Das Potential in ständiger Veränderung zu sehen ermöglicht es uns, sie zu nutzen. Bewusst Teil ständiger Veränderung zu sein lässt uns lernen und wachsen.

Für mich ist die ständige Veränderung, das konstante Lernen, Wachsen und Entwickeln wesentlich wichtiger, als mit aller Kraft Gleichmäßigkeit und Vorhersehbarkeit zu erzeugen.

Hier sind einige Schritte, die dir dabei helfen können, Veränderungen ihr schlechtes Image zu nehmen und sie für dich zu nutzen:

  1. Veränderung als Notwendigkeit und Möglichkeit anerkennen. Veränderung ist nichts, das wir uns heute aussuchen und einfach herbeiführen. Sie ist allgegenwärtig – die Frage ist, ob wir sie anerkennen und uns ihr hingeben. Dieses Potential zu erkennen und zu nutzen ist ein riesiger Schritt.
  2. Sich damit anfreunden, dass die Kontrolle begrenzt ist. In vielen Branchen wird eine Menge Geld mit Unsicherheit umgesetzt. Versicherungen und Verträge sollen dir das Gefühl geben, Kontrolle zu haben. Aber die Möglichkeiten sind stark begrenzt. Im Gegensatz zu den Möglichkeiten, die du hast, wenn du dich damit anfreundest, begrenzte Kontrolle zu haben. Nimm Einfluss auf dein Leben soweit du kannst und lass alles weitere auf dich zukommen.
  3. Die Veränderung empfangen und voller Bewusstsein erleben. Dann ist es einmal soweit: Etwas verändert sich. Leider zeigt sich das oft in einer Krise. Der Übergang vom »nicht mehr Guten« zum »noch nicht Guten« (diese Formulierung habe ich mir von meinem Freund Klaus Podirsky ausgeborgt) ist oft schmerzhaft und mit Anstrengung verbunden. Das hindert dich nicht, die Veränderung voller Bewusstsein und Achtsamkeit zu erleben.
  4. Lerne und wachse. Durch Veränderungen machst du Erfahrungen, die dir niemand jemals nehmen kann. Fühle in dich hinein, denke nach, meditiere. Diesen Situationen wohnt ein enormer Erfahrungswert inne. Es ist an dir, ihn zu nutzen und durch ihn zu wachsen.

Deine Meinung zum Image der Veränderung

Hat dir dieser Text eine neue Sicht auf das Thema Veränderung gegeben? Spürst du vielleicht den Drang, selbst etwas zu verändern oder etwas Neues zu auszuprobieren?

Wann hattest du in der Vergangenheit mit Veränderung zu tun? Wie hätte sie verlaufen können, wenn du sie vielleicht etwas positiver aufgenommen hättest? Hinterlasse mir doch einen Kommentar mit deiner Meinung zu diesem Thema. Ich freue mich darauf.

Artikel von Dominik Radl