Wie du weniger tust, aber mehr erreichst

Wie du weniger tust, aber mehr erreichst
Nichtstun ist wichtig. Im Moment zu sein bedeutet, dem natürlichen Lauf der Dinge nicht entgegenzuwirken. Es bedeutet, für das, was passiert, empfänglich zu sein. Zu bemerken, wann der richtige Moment gekommen ist und seine Chance dann zu ergreifen. Dieses Potential wohnt dem Nichtstun inne.

Ich weiß, dass du viel zu tun hast. Wir alle haben das. Denk trotzdem darüber nach, ob es dieser ewige Strom an Einflüssen wert ist, deinen ganzen Tag und oft auch die Nacht einzunehmen.

Die Dauerbeschallung von Telefon, E-Mail, Meetings, Fernsehen und sozialen Medien nimmt kein Ende. Sie beginnt kurz nachdem du aufstehst und endet wahrscheinlich nicht einmal in deinem Schlaf.

Ziehe die Möglichkeit in Betracht, aus diesem Kreis auszubrechen. Nicht ein für alle Mal, aber immer wieder. Lerne, weniger, aber dafür genau die richtigen Dinge zu tun. Dein Körper und Geist werden es dir danken.

Wähle mit Bedacht

Stell dir vor, dein Leben wäre ein Garten. Du bekommst jeden Tag neue Pflanzen, die du einsetzen sollst. Pflanzen, die dir sehr gut gefallen und Pflanzen die dir weniger gut gefallen, oder mit denen du nichts anfangen kannst.

Das Setzen der Pflanzen nimmt deine ganze Energie in Anspruch, doch nach einiger Zeit bemerkst du, dass vor lauter Pflanzen kein Stück Fläche mehr übrig ist, um dich hinzulegen oder mit deinen Kindern zu spielen.

Die Lösung ist, die Pflanzen zu reduzieren. Ich möchte dir ein paar Möglichkeiten zeigen, wie du mehr freie Fläche in deinem Leben erreichst:

  • Was ist wirklich wichtig? Du kannst den ganzen Vormittag damit verbringen, von Meeting zu Meeting zu hasten. Möglicherweise machst du das aber nur, um beschäftigt zu sein. Vielleicht ist der Inhalt dieser Meetings in einer E-Mail schneller kommuniziert oder es reicht ein kurzes, aber produktives Meeting aus. Du verstehst, was ich meine. Mach, was notwendig ist, aber bemerke, wann du deine Energie verschwendest und vermeide das.
  • Mach es sofort und bring es zu Ende. Wenn du herausgefunden hast, dass du eigentlich weniger machen musst, dann erledige diese reduzierten Aufgaben. Eine nach der Anderen. Sei sorgfältig und widme dieser Aufgabe deine ganze Aufmerksamkeit.
  • Vereinfache, was du machen musst. Einiges bleibt uns nicht erspart. Wir müssen irgendwann die Wäsche waschen, Essen kochen oder die Wohnung putzen. Vereinfache deinen Haushalt und schaffe einfache Systeme, die dich nicht aufhalten.
  • Sage Nein. Vielleicht fühlst du dich besser, wenn du jede Aufgabe annimmst, die dir zukommt. Ich habe vor einiger Zeit beschrieben, wie du erkennst, was du wirklich machen möchtest und wie du es schaffst, Nein zu sagen. Nutze diese Möglichkeit und befreie dich von Aufgaben, die du aus Angst nicht ablehnen möchtest.
  • Besitze weniger. Je weniger du besitzt, desto weniger hast du zu warten, aufzuräumen und zu organisieren. Zu viel Kram beansprucht deine Aufmerksamkeit und deine Energie. Befreie dich von allem, was dein Leben nicht wirklich bereichert und genieße die neu gewonnene Freiheit.
  • Tu es mit Hingabe. Egal was jetzt noch übrig bleibt – erledige es mit Hingabe. Richte deine ganze Aufmerksamkeit auf die Aufgabe. Sei präsent und genieße, was du tust. Mach deine Aufgabe sorgfältig und du wirst bemerken, dass du mehr erreichen kannst, indem du weniger tust.

So kommst du mit dem Gefühl klar, unproduktiv zu sein

Der schwierigste Teil des Nichtstuns ist für mich das Gefühl, unproduktiv zu sein. Ich mag es, Dinge zu erledigen, Aufgaben zu erfüllen und etwas zu erreichen. Wenn ich einige Stunden nichts zu tun habe und die Zeit vielleicht dazu nutze, bei einer Tasse Kaffee ein Buch zu lesen, fühle ich mich ein bisschen unwohl.

Ich denke über die Zukunft nach und darüber, ob ich auch genug dafür getan habe, diese Zukunft erfolgreich zu machen. Sollte ich nicht doch noch ein bisschen arbeiten? Schließlich möchte ich mir nicht vorwerfen, faul gewesen zu sein.

Diese Gedanken sorgen für mehrere problematische Reaktionen. Zum einen ist diese Einstellung genau der Grund, warum so viele Menschen so viel sinnlose Arbeit machen. Natürlich könnte ich jeden Tag mit zwölf Stunden Arbeit füllen.

Würde mich das weiterbringen? Wahrscheinlich nicht, denn diese Arbeit wäre generiert, um Zeit zu füllen. Ich möchte auf keinen Fall behaupten, niemand, der zwölf Stunden täglich arbeitet, würde etwas erreichen. Aber der Grund dahinter ist wichtig.

Eine weitere Reaktion auf diese Gedanken ist Ungeduld. Nur weil wir ständig irgendetwas tun vergeht die Zeit nicht schneller. Die Zukunft kommt – ob du ständig arbeitest, oder nicht. Lass dir Zeit und genieße es, weniger zu tun.

Hier sind ein paar Schritte, die ich gehe, wenn ich mich wieder unproduktiv und faul fühle:

  • Vertraue, dass das Richtige passiert. Wenn du bei deiner Arbeit achtsam warst und dein Bestes gegeben hast – auch, wenn du nur die Hälfte deiner üblichen Arbeit gemacht hast – wird das Richtige passieren. Darauf vertraue ich einfach, nein, ich bin überzeugt davon.
  • Kenne deine Grenzen. Ich mache mir bewusst, dass ich die Vergangenheit nicht beeinflussen kann. Dann mache ich mir bewusst, dass ich die Zukunft nicht beeinflussen kann. Ich kann nur die Gegenwart beeinflussen. Wenn ich im Jetzt bin und in der Gegenwart voller Vertrauen und Zuversicht mein Bestes gebe, ist das alles, was ich machen kann.
  • Lass die Schuldgefühle los. Manchmal, wenn ich wenig getan habe, fühle ich mich richtig schuldig. Ich weiß, dass diese Gefühle nicht berechtigt sind, aber sie sind da. Ich denke, sie zu verdrängen ist nicht sinnvoll, deshalb arbeite ich daran, sie zu akzeptieren.
  • Du brauchst eine Pause. Faulheit ist oft ein Zeichen dafür, dass der Körper oder der Geist Ruhe und Entspannung braucht. Wenn ich erkenne, dass es nicht nur in Ordnung ist, nichts zu tun, sondern mir sogar hilft, mich kennenzulernen und achtsam zu sein, dann fällt es mir leichter.

Probier es aus, nimm dir heute noch die Zeit, nichts zu tun. Stell dich dem Gefühl, unproduktiv oder faul zu sein und genieße es.

Wie kannst du weniger tun?

Hast du es schon geschafft, Tätigkeiten aus deinem Alltag zu verbannen? Nimmst du dir manchmal Zeit, nur um freie Zeit zu haben? Erzähl mir davon und schreib mir einen Kommentar.

Kennst du jemanden, der denkt, jede Sekunde müsste mit etwas gefüllt sein, um Wert zu haben? Kennst du eine Person, der es schwer fällt, Zeit für sich zu schaffen, dann leite ihr doch diesen Artikel weiter.

Dies ist der zweite von zwei Artikeln, die das Nichtstun behandeln. Im Artikel »Wie es sich anfühlt, weniger zu tun« erfährst du, was es bedeutet, weniger zu tun und warum wir unsere Tage immer zum Bersten füllen.

Artikel von Dominik Radl



Lies alle weiteren Artikel oder lass dich erinnern, wenn ein neuer Artikel erscheint. Wenn du auf der Liste bist, bekommst du jede Woche genau eine E-Mail mit den neuesten Artikeln. Außerdem beinhalten die wöchentlichen E-Mails manchmal wertvolle Inhalte nur für Abonnenten – zum Beispiel das Handbuch »Ein Jahr für Veränderer«.


Kommentare von Disqus