Meine minimalistische Morgenroutine

Meine minimalistische Morgenroutine
Mit sogenannten Morgenroutinen beschäftige ich mich schon eine ganze Weile. Es scheint, als hätte jeder Mensch, der jemals irgendetwas Bedeutsames auf die Reihe bekommen hat, eine bestimmte Morgenroutine oder tägliche Rituale.

Ich kenne die Berichte über die Abläufe von Benjamin Franklin, Franz Kafka, Barack Obama, Steve Jobs und vielen weiteren hochproduktiven, inspirierenden Persönlichkeiten. Ich habe auch selbst schon sehr viel ausprobiert – von verschiedenen Uhrzeiten über warmes Frühstück bis hin zu einer Runde mit dem Fahrrad, eine Kettlebell auf den Rücken geschnallt für das Workout im Park.

Warum überhaupt eine Morgenroutine?

Eine morgendliche Routine ist eine Gewohnheit, die aus mehreren Teilstücken besteht. Oft beginnt sie bereits am Abend zuvor und endet meistens, wenn der eigentliche (Arbeits-)Tag beginnt. Was eine Morgenroutine für viele Menschen so interessant macht ist die Möglichkeit, jeden Tag so zu starten, wie wir ihn gerne hätten.

Wir können uns in einen bestimmten Modus bringen. Dann sind wir nicht mehr abhängig davon, ob die Straßenbahn rechtzeitig kommt, oder welche Musik im Radio läuft – der Tag hat bereits großartig begonnen.

Viele Menschen haben es schwer, in der Früh aus dem Bett zu kommen. Eine Morgenroutine kann dir dabei helfen, dich in diesem Zustand abzufangen und dich auf eine angenehme Art und Weise fit für den Tag zu machen.

Im Idealfall läuft eine Morgenroutine sehr automatisiert ab. Vom Aufstehen, Fertigmachen und Frühstück zubereiten bis hin zur Auswahl der Kleidung für den Tag. Dieser Ablauf sorgt dafür, dass du in der Früh so wenige Entscheidungen wie möglich treffen musst. Einigen Studien zufolge haben wir nur die Energie für eine begrenzte Anzahl vernünftiger Entscheidungen pro Tag. Wenn wir uns jeden Tag mit unnötigen Entscheidungen aufhalten, »verschwenden« wir ein gewisses Potential. Über diese sogenannte »Decision Fatigue« habe ich bereits im Artikel über die 3 Wege, wie Minimalismus täglich mein Leben bereichert, geschrieben.

Eine durchdachte Morgenroutine nimmt dir Entscheidungen ab, spendet Energie und bringt dich in den richtigen Modus für deinen Tag.

Meine derzeitige Morgenroutine

Nachdem ich seit einigen Jahren mit verschiedenen Routinen experimentiere bin ich nun bei einer sehr reduzierten Routine angelangt.

Kürzlich habe ich in einem Podcast gehört, dass Menschen dazu neigen, alles Mögliche in drei Teile aufzuteilen. Wir scheinen die Zahl Drei zu mögen. Das zeigt sich zum Beispiel bei unserer gängigen Einteilung des Lebens in die Kindheit und Jugend, das Erwachsenenalter und den Lebensabend. Auch findet man diese Einteilung bei vielen Geschichten – Einleitung, Hauptteil, Schluss. Auch in der Musik, im Theater und in unserer Sprache wird diese Einteilung oft verwendet.

Worauf ich hinaus will ist, dass diese Zahl auch in meiner Morgenroutine zur Anwendung kommt. Nicht vorsätzlich, sondern instinktiv. Ich mache jeden Morgen genau drei Dinge:

  1. Etwas Aktivierendes
  2. Etwas Erdendes
  3. Etwas Kreatives

Das reicht mir, um in den Tag starten zu können. Ich verzichte auf komplexe, minutengenaue Abläufe, ewige Kosmetikprozeduren, exakt dosierte Vitaminkuren oder ähnliches.

Mein Morgen sieht also meistens so aus: Mein Wecker läutet zurzeit meistens um sechs Uhr. Falls ich früher außer Haus muss, kann sich das nach vorne verschieben. Wichtig ist, dass ich genug Zeit habe, alles, was mir wichtig ist, so früh wie möglich am Tag erledigen zu können. Ich arbeite ungern am späten Nachmittag oder Abend. Wenn der Wecker läutet, stehe ich direkt auf, snoozen verboten.

Das frühere Aufstehen hebe ich mir lieber für den Sommer auf. Wenn es draußen schon hell wird, habe ich kein Problem damit, um halb sechs aufzustehen. Wie gesagt, ich erledige Dinge gerne früh.

Meine erste gute Tat ist, ein Glas Wasser zu trinken. Danach führt mein Weg direkt ins Bad. Ich putze meine Zähne und wasche Gesicht, Hände und Arme mit kaltem Wasser und Seife. Sich direkt nach dem Aufstehen, wenn die Körpertemperatur am Tiefpunkt ist, mit kaltem Wasser zu waschen kostet Überwindung, ist aber sehr erfrischend. Mein Kreislauf fängt langsam an zu arbeiten und ich fühle mich nicht mehr, als würde ich schlafwandeln. Das ist der aktivierende Teil.

Jetzt setze ich mich auf mein Meditationskissen und meditiere für zehn bis fünfzehn Minuten. Entweder stelle ich mir einen Wecker, oder ich zähle meine Atemzüge anhand der 108 Holzperlen meines Armbandes ab. Die zweite Methode dauert tendenziell etwas länger. Falls ich einmal wirklich wenig Zeit habe, reduziere ich die Meditation auf fünf Minuten – auslassen ist keine Option.

Ich betrachte die morgendliche Meditation als etwas Erdendes. Ich gelange gleich zu Beginn des Tages zu einer gewissen Ruhe. Meine Aufmerksamkeit auf meinen Atem zu richten, wirkt auf vielen Ebenen für mich. Ich lerne, wie relativ all die Gedanken sind, die mir gleich morgens durch den Kopf schießen. Ich lerne, dass diese Gedanken da sind, dass ich aber nicht dazu verpflichtet bin, sofort jedem einzelnen nachzujagen. Ich beende jede Meditation mit einem kurzen Moment, in dem ich für etwas dankbar bin, das mir gerade einfällt.

Danach koche ich Kaffee. Auch diese Tätigkeit betrachte ich als erdend. Ich nehme mir die Zeit, den Kaffee händisch zu mahlen und schaue dabei aus dem Fenster. Nach ein paar Umdrehungen genieße ich die intensive Geruchsbildung. Dann koche ich das Wasser und gieße den frisch gemahlenen Kaffee auf. Mit dem fertigen Kaffee und meinem Laptop setze ich mich und beginne zu schreiben.

Die kreative Phase beginnt. Ich finde es wertvoll, jeden Morgen irgendetwas zu (er)schaffen. Entweder ich beginne einen neuen Artikel für den Blog, oder ich schreibe an einem begonnenen weiter. Eine Zeit lang habe ich jeden Morgen ein Kapitel am Handbuch »Ein Jahr für Veränderer« geschrieben.

Nach dieser Phase ist meine Morgenroutine beendet. Jetzt beginne ich, an den wichtigsten Dingen des Tages zu arbeiten. Auch hier zeigt sich die Zahl Drei wieder. Ich schreibe entweder abends oder in der Früh die drei wichtigsten Dinge des Tages auf und beginne sobald wie möglich, daran zu arbeiten.

Die drei Phasen

Ich kann mir gut vorstellen, dass sich die Ausprägung der drei Phasen meiner Morgenroutine verändern wird. Vielleicht werde ich als anregenden Teil des Morgens eine Runde laufen und in der kreativen Phase etwas lesen oder zeichnen.

Im Allgemeinen habe ich aber die besten Erfahrungen damit gemacht, meine Routine zu reduzieren. Was ich morgens erledige, ist das, was mich in den richtigen Modus bringt. Ich möchte geerdet, aktiv und kreativ meinen Tag starten – das war’s.

Deine Morgenroutine

Wie startest du jeden Tag? Lässt du einfach alles auf dich zukommen oder verfolgst du bestimmte Rituale? Welche Getränke, Speisen und Tätigkeiten sind dir wichtig, um dich in den richtigen Modus zu bringen?

Artikel von Dominik Radl



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