Minimalismus richtig anfangen

Minimalismus richtig anfangen
Du interessierst dich für den minimalistischen Lebensstil und willst endlich etwas verändern? Du hast schon eine paar Blogs gelesen und YouTube–Videos gesehen, in denen Menschen mit einer minimalen Anzahl an Dingen leben und findest das inspirierend? Dann musst du jetzt nur noch anfangen. Aber wie?

Ich kenne diese Situation nur zu gut. Ich habe mich auch vor einigen Jahren von Minimalisten wie Leo Babauta, Joshua Becker oder Dave Bruno inspirieren lassen. Irgendwann kommt aber der Punkt, an dem man anfangen möchte. Oft hat man trotz der ganzen Texte und Videos keinen Schimmer, wie man nun von seinen tausenden Besitztümern einhundert auswählt und den Rest los wird.

Du kreierst deinen eigenen Lebensstil

Vielleicht denkst du darüber nach, wie du in den Lebensstil dieser Vorbilder passen würdest. Dann fragst du dich möglicherweise, was du jetzt mit deiner Kletterausrüstung machen sollst – darfst du die behalten? Oder die Musikinstrumente, wenn du Musiker bist – ist es in Ordnung, zwei Gitarren zu besitzen?

Diese Gedanken sorgen oft dafür, dass die Idee des Minimalismus eine Idee bleibt und der Anfang in weite Ferne rückt. Ich sehe hier drei Dinge, die dich möglicherweise davon abhalten, einfach zu starten:

  • Angst
  • Erwartungen
  • Unsicherheit

Viele seiner Besitztümer loszuwerden bringt natürlich eine gewisse Angst mit sich. Schließlich geht es im Minimalismus auch darum, sich emotional von Materiellem zu trennen und zu erkennen, dass die Freude des Lebens nicht in Produkten steckt.

Unsere Erwartungshaltung hält uns aber auch zurück. Im Geist vergleichen wir uns mit Menschen, die diesen Lebensstil seit Jahren und eventuell sehr radikal praktizieren. Du musst nicht dasselbe Leben führen wie irgendein anderer Mensch. Du musst nicht mit einhundert Gegenständen leben, nicht heute und auch nicht in einem Jahr. Aber du kannst, wenn du willst.

Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.

– Søren Kierkegaard

Außerdem wissen wir oft nicht, ob es in Ordnung ist, was wir da tun. Wir wünschen uns ein globales Regelbuch, nach welchem wir unseren Lebensstil ändern können. Was halten meine Freunde davon, dass ich keinen Fernseher mehr besitzen möchte? Was sagen meine Kollegen, wenn ich in eine kleinere Wohnung ziehe?

Sieh es doch einfach so: Es gibt keine Regeln. Also kannst du auch nichts falsch machen. Denke selbst darüber nach, in welche Richtung dein Lebensstil gehen soll. Vergleiche dich nicht mit anderen, das macht keinen Sinn.

Gehe kleine Schritte, dann kannst du jederzeit fühlen, ob die Veränderung für dich stimmt. So entgehst du Enttäuschungen und minimierst deine Angst. Jetzt musst du nur noch anfangen. Aber wo?

Nicht mit Grenzfällen beginnen

Ich habe mich schon öfter mit Menschen unterhalten, die mit einem minimalistischen Lebensstil liebäugeln. Oft werden sie zurückgehalten, weil sie irgendein wichtiges Objekt nicht loswerden wollen. Beispielsweise Schmuck, Bilder oder Utensilien, die für Hobbies benötigt werden.

Lass dich von diesen Gedanken nicht abhalten, sie entstehen nur aus der Angst vor Veränderung. Sei nicht so streng mit dir und zäume das Pferd nicht von hinten auf.

Warum machst du dir Gedanken über den Schmuck, der dir so wichtig ist, wenn deine Abstellkammer, dein Keller, der Dachboden, die Garage und die Container auf deinem Kasten und unter deinem Bett zum Bersten voll sind? Fang doch einfach dort an.

Es gibt so viele Dinge, die dein Leben träge und abhängig machen – du kannst dich als letztes um den Schmuck, die Musikinstrumente oder die Kletterausrüstung kümmern. Vielleicht willst du sie irgendwann loswerden, vielleicht auch nicht. Das ist in Ordnung.

Mache die Dinge so einfach wie möglich – aber nicht einfacher.

– Albert Einstein

Setze eine erste Aktion und werde etwas los, das du nicht brauchst. Dann stelle fest, wie sich das für dich anfühlt. Ist es ein Gefühl der Freiheit? Zeigt sich Aufregung und Tatendrang? Fühlst du dich jetzt leichter und weniger abhängig? Dann kannst du jetzt den nächsten Schritt gehen. Bleibe in Kontakt mit deinem Geist und deinen Gefühlen, dann wirst du erkennen, welcher Schritt richtig und welcher zu viel ist.

Mehr darüber

Im Artikel »Minimalismus: Wie anfangen und wie weitermachen?« findest du fünf Wege wie du den heutigen Tag noch minimalistischer machen kannst. Die meisten dieser Wege haben gar nichts mit Produkten zu tun.

Außerdem hilft dir vielleicht der Artikel »Was ist Minimalismus?«.

Abseits von supersimpel kannst du in den folgenden Artikeln mehr über den Start in den minimalistischen Lebensstil lesen:

Artikel von Dominik Radl