Warum ich Bücher lese

Warum ich Bücher lese
Dass wir lesen sollen, haben wir schon als Kind gelernt. Jeder weiß das. Aber irgendwann kommt der Punkt, an dem dich niemand mehr zum Lesen zwingt. Du kannst jetzt selbst entscheiden, was du mit deiner Freizeit anfängst und lesen fällt dabei leider oftmals unter den Tisch.

Lesen ist für mich eine der wichtigsten und schlausten Tätigkeiten. Ich bin dankbar dafür, lesen zu können und Zugang zu einer unbegrenzten Anzahl Bücher zu haben.

Für mich spielt es keine Rolle, ob jemand Bücher liest, E-Books liest oder Hörbücher hört. Jeder hat seine bevorzugte Art, Inhalt aufzunehmen. Ich persönlich mag gedruckte, hochwertig gestaltete Bücher am liebsten.

Typografen und Gestalter machen sich schon sehr lange Gedanken darüber, wie Inhalt in möglichst lesbarer Form präsentiert werden kann. Dieses Wissen respektiere ich und erfreue mich an Büchern, die gut gestaltet sind.

Das gilt aber nur für mich und auch nur für das Äußere des Buchs. Warum ich es so wichtig finde, zu lesen, hat mehrere Gründe:

Jemand teilt ein Stück seiner Persönlichkeit mit dir. Geschriebene Worte sind Teil des Autors. Sie entspringen seinem Denken. Mit jedem Buch und jedem Text teilt der Autor ein bisschen Persönlichkeit mit dem Leser. Diese Beziehung ist magisch. Du hast du Möglichkeit, das Denken unterschiedlicher Menschen in dich aufzunehmen, die vielleicht schon lange nicht mehr leben.

Du kannst auswählen, wovon deine eigenen Gedanken inspiriert sein sollen. Nimm diese Möglichkeit wahr. Tauche ein in die romantische Welt des Stefan Zweig oder lache über die irrwitzigen Gedanken eines Dirk Stermann. Erkenne den Wert, einen Teil des Denkens dieser Menschen in dich aufnehmen zu können.

Geschrieben Worte haben Macht. Hast du schon einmal geweint, als du ein Buch gelesen hast? Hast du schon einmal ein spannendes Buch gelesen und bemerkt, dass sich dein Puls erhöht? Hattest du schon einmal dieses mächtige Gefühl, du könntest alles erreichen, nach dem Lesen eines motivierenden Textes?

All das sind Sensationen, die in unserem Körper stattfinden. Physische Dinge. Da passiert etwas mit uns, im Hier und Jetzt. Texte haben eine solche Macht über uns. Im besten Sinn des Wortes. Wir haben die Möglichkeit, uns darauf einzulassen. Die geschriebenen Worte eines Menschen, der vielleicht hunderte Kilometer weit entfernt ist, oder schon lange nicht mehr lebt können in uns reale Reaktionen auslösen.

Training für den Geist. Ich denke, wir haben alle verstanden, dass es wichtig ist, seinen Körper zu trainieren. Das muss nicht bedeuten, einen ausgefeilten Trainingsplan zu haben. Es ist wichtig, sich regelmäßig zu bewegen und seinen Körper zu beanspruchen.

Genauso wichtig ist es auch, unser Gehirn zu beanspruchen. Uns immer mit vorgekauter Information berieseln zu lassen fördert unseren Geist genauso wenig wie das Sitzen auf der Couch deinen Körper fördert. Respektiere dein Gehirn und tu ihm etwas Gutes. Lies etwas und lass dein Gehirn ganze Welten für dich erschaffen.

Unendliches Wissen. Egal worüber du etwas wissen möchtest, wahrscheinlich hat jemand schon einmal ein Buch darüber geschrieben. Natürlich ist nicht das Wissen jedes Autors auf die selbe Weise fundiert, dennoch sind Bücher für mich eine der reichhaltigsten und sinnvollsten Wissensquellen.

Um ein Buch zu schreiben, muss sich der Autor intensiv mit einem Thema beschäftigen. Danach muss er viel Zeit und Mühe investieren, dieses Wissen in ein Buch zu verpacken. Das kostet ihn wahrscheinlich Monate oder sogar Jahre harter Arbeit. Wir haben jetzt die Möglichkeit, all diese Arbeit für verhältnismäßig wenig Geld (im Falle einer Bibliothek oft sogar gratis) zu konsumieren. Ist das nicht eine großartige Methode, etwas Neues zu lernen?

Neues Vokabular. Ich bin immer wieder verblüfft auf welch elegante Art und Weise es einigen Schriftstellern möglich ist, Situationen in Worte zu fassen. Ich bin ein Freund des Minimalismus, daher bewundere jene Schriftsteller am meisten, die es schaffen, mit wenigen Worten viel auszulösen.

Ich denke, jeder geschriebene Text beeinflusst unsere eigene Fähigkeit, Geschehenes in Worte zu fassen. Möchte ich also von unzähligen Tweets, Statusupdates und Zeitungsartikeln beeinflusst werden, oder durch die Schriftsteller, die ich am meisten bewundere?

Fokus und Achtsamkeit. Zu lesen bedeutet, nichts anderes zu tun als zu lesen. Du tauchst tief in einen Text ein und vergisst, was rund um dich passiert. Das ist eine Achtsamkeitsübung schlechthin. Behandle das Lesen auch so. Nimm dir bewusst Zeit und schalte alle Benachrichtigungen und Töne aus, wenn du dich einem Buch widmest.

Wie du mehr liest

Vielleicht bist du begeisterter Leser, aber findest selten die Zeit dazu. Vielleicht haben dich aber auch die oben genannten Punkte inspiriert, es doch einmal zu versuchen. Oder du hast dich an ein Buch erinnert, das du schon einmal gelesen hast und noch einmal lesen möchtest.

Um dir dabei zu helfen, mehr zu lesen oder die Liebe zum Lesen zu entdecken sind hier einige Tipps:

  • Mach lesen zu einer normalen Aktivität. Lesen ist nicht der letzten Stunde vor dem Schlafengehen vorbehalten. Verändere deinen Zugang zum Lesen. Denk daran, dass du auch zu Zeiten lesen kannst, zu denen du normalerweise fernsiehst oder im Internet surfst.
  • Hab immer ein Buch dabei. Lege ein Buch dorthin, wo du es immer siehst, oder wo du dich aufhältst, wenn du es dir gemütlich machst. Zum Beispiel am Couchtisch. Nimm immer ein Buch mit, wenn du unterwegs bist. Du kannst im Bus, im Zug oder im Wartezimmer lesen. Wenn dir gedruckte Bücher zu groß oder zu schwer sind, versuch es vielleicht einmal mit E-Books.
  • Lies kein Buch zu Ende, das du nicht gut findest. Wenn du bemerkst, dass du es nur schleppend schaffst, in einem Buch weiterzukommen oder du dich nicht darauf freust, dann lass es sein. Du bist nicht verpflichtet, ein Buch zu Ende zu lesen, das dir nicht gefällt. Vielleicht ist der Stil nicht dein Fall oder du kannst mit dem Inhalt nichts anfangen. Versuche trotzdem, jedem Buch eine faire Chance zu geben.
  • Lies jeden Tag. Mach es zur Gewohnheit, als erstes in der Früh, bei einem frischen Kaffee ein paar Seiten zu lesen. Oder nimm dir eine halbe Stunde oder Stunde Zeit, um vor dem Schlafengehen zu lesen. Gehe etwas früher ins Bett, wenn du vor hast, zu lesen.
  • Probiere verschiedene Formate aus. Probiere, ob dir dicke oder dünne Bücher mehr liegen. Magst du lange oder kurze Geschichten? Liest du lieber E-Books, gedruckte Bücher oder hörst du Hörbücher? Wechsle ab zwischen Romanen, Fachbüchern, Sachbüchern, Gedichten, spirituellen Texten oder Büchern über Persönlichkeitsentwicklung.
  • Lies Bücher mehrmals. Wenn dir ein Buch, das du vor einiger Zeit gelesen hast gut gefallen hat, dann scheue nicht davor zurück, es voller Hingabe noch einmal zu lesen. Du hast doch deinen Lieblingsfilm auch öfter als einmal gesehen, oder?
  • Habe immer ein paar interessante ungelesene Bücher zur Hand. Das spornt dich an, nach einem Buch direkt ein neues zu starten. Neben meinem Bett ist immer ein kleiner Stapel von ungelesenen Büchern, auf die ich mich freue.
  • Mach dich mit der nächsten Bibliothek vertraut. Gerade Romane werden oft nur einmal gelesen. Dafür zahlt es sich oft nicht aus, jahrelang Platz dafür zu haben. Manche Bücher lese ich öfter oder verwende sie als Nachschlagewerke oder Inspirationsquelle, diese habe ich gerne zuhause. Mach die nächste Bibliothek ausfindig und durchstöbere das Angebot. Meistens ist das Ausborgen sehr günstig oder sogar gratis.

Was liest du? Wie liest du? Warum liest du?

Jetzt weißt du, warum ich lese und wie ich lese. Erzähl mir von deiner Einstellung zu Büchern und zum Lesen im Allgemeinen. Bist du auf E-Books umgestiegen oder ist deine Wohnung voll mit dicken Wälzern? Hinterlasse mir doch einen Kommentar, deine Meinung interessiert mich.

Artikel von Dominik Radl