Gelassenheit durch Achtsamkeit – 4 Gedanken, die dich sofort gelassener machen

Gelassenheit durch Achtsamkeit – 4 Gedanken, die dich sofort gelassener machen
Heutzutage liegen Produktivität und Problemlösungen hoch im Kurs. Zu wissen, wie man jeden Zwischenfall möglichst schnell aus der Welt schaffen kann, scheint immer wichtiger zu werden. Meiner Meinung nach liegt aber persönliche Größe nicht unbedingt darin, schwierige Situationen augenblicklich und mit allen Mitteln lösen zu können. Sie liegt darin, die Gelassenheit zu haben, damit umzugehen.

Soll das heißen, wir sollen keine Probleme mehr lösen, sondern sie einfach passieren lassen? Nein, natürlich nicht. Aber Probleme zu lösen und mit Problemen umzugehen sind zwei verschiedene Dinge.

Lösen können wir Probleme auch – und meiner Meinung nach wesentlich klarer, besser, effektiver – wenn wir gelassen mit ihnen umgehen. Wir gehen aber mit Problemen nicht automatisch gelassen um, wenn wir sie lösen.

Wozu Gelassenheit?

Gelassenheit ist für mich ein Mittel, um das Leben zu führen, das ich mir wünsche. Ich bediene mich mehrerer Mittel, um dieses Leben führen zu können, zum Beispiel Minimalismus, Achtsamkeit, Meditation, Gewohnheiten und Beharrlichkeit.

Im Alltag gelassen zu sein und vor allem einen gelassenen Umgang mit Problemen zu lernen, hilft gegen eine Vielzahl moderner Beschwerden. Depressionen, Angst, Stress und in weiterer Folge Burnout sind Probleme, zu deren Lösung Gelassenheit sicherlich beitragen kann.

Aber Gelassenheit hilft uns nicht nur beim Umgang mit negativen Situationen, sondern stärkt auch positive Eigenschaften. Zum Beispiel das Selbstbewusstsein – was dann oft in weniger Angst bzw. geringerem Risiko von Depressionen mündet – sowie die Motivation und in weiterer Folge die geistige und körperliche Gesundheit.

Was hat Gelassenheit mit Achtsamkeit zu tun?

Gelassenheit und Achtsamkeit sind meiner Meinung nach eng verbunden, aber nicht austauschbar.

Die Achtsamkeit lehrt uns, im Jetzt präsent zu sein. Wenn wir achtsam sind, betrachten wir, was jetzt gerade passiert so unbewertend wie möglich. Das bringt uns in einen Zustand der unmittelbaren Erfahrung, des Lernens und der absoluten Präsenz.

Wenn wir gelassen sind, nehmen wir Dinge nicht so schwer. Wir ersetzen nicht negative Gedanken durch positive (wie das beim »Positive Thinking« der Fall ist), sondern wir nehmen die Situation, wie sie ist. Mit klaren Gedanken, ohne Jähzorn, frühzeitige Bewertungen und Vorurteile lassen sich Probleme großartig lösen.

Gelassenheit und Achtsamkeit sind nicht dasselbe, sie überschneiden sich zum Teil und sie unterstützen sich gegenseitig prächtig. Eine achtsame Grundhaltung ermöglicht und unterstützt einen gelassenen Umgang mit der jetzigen Situation.

Leider vergessen wir oft, wie es sich anfühlt, gelassen mit Problemen umzugehen. Wir denken vielleicht, dass wir gelassen mit allem umgehen können, solange nichts passiert. Wenn aber dann tatsächlich ein Problem eintritt, sehen wir dieses als Ausnahmesituation und reagieren vorschnell.

Die Herausforderung ist, jede Situation gelassen zu sehen. Nicht nur die Situationen, die uns ohnehin nicht wichtig sind. Nur dann können wir persönlich wachsen und nachhaltig unsere Einstellung ändern.

Gelassenheit ist eine anmutige Form des Selbstbewusstseins.

– Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach

4 Gedanken, die dich in jeder Situation gelassener machen

Mir fällt es leichter, gelassen zu sein, wenn ich mir einige Gedanken meiner »Weltanschauung« vor Augen führe. Ich nenne diese Gedanken aus Mangel an einer besseren Beschreibung meine »Weltanschauung«. Vielleicht könnte man sie auch ein »Manifest« nennen.

Damit meine ich Gedanken und Grundsätze, die ich in meinem tiefsten Inneren einfach für richtig halte. Sie verändern sich immer wieder, je nachdem, was ich lese, mit wem ich spreche und was ich erfahre. Vielleicht helfen dir diese Gedanken auch und du kannst sie Teil deines »Weltbilds« werden lassen.

  1. Alles, was passiert, hat seinen Wert, alles ist verbunden und beeinflusst sich. Wenn ich von dem Grundsatz ausgehe, dass alles verbunden ist und sich alles beeinflusst, dann ist alles eine Reaktion auf unendlich viele Aktionen. Wie mir das hilft? Zu wissen, dass nicht nur meine Aktionen eigentlich Reaktionen sind, sondern auch die jedes anderen Lebewesens, hilft mir, Situationen relativer zu sehen. Menschen, die andere Menschen scheinbar schlecht behandeln, scheinbar schlechte Entscheidungen treffen oder scheinbar böse sind, tun – genau wie du und ich – alles als Reaktion auf etwas. Das nimmt ihrer Absicht ein bisschen an Gewicht und es fällt mir leichter, mir vorzustellen, warum manche Menschen so sind, wie sie sind.
  2. Erkennen, was ich ändern kann und was ich nicht ändern kann. Gelassenheit entsteht, wenn du erkennst, was du ändern kannst und es änderst. Gelassenheit entsteht auch, wenn du erkennst, was du nicht ändern kannst und nicht versuchst, es zu ändern. Die Unterscheidung ist leider nicht einfach, daran müssen wir arbeiten. Vielleicht ist es aber schon ein Fortschritt zu akzeptieren, dass es überhaupt Dinge gibt, die wir nicht ändern können. Was in der Vergangenheit passiert ist, können wir nicht ändern. Wir können ändern, wie wir darauf reagieren. Warum halten wir dann so oft daran fest, was passiert ist, anstatt daran zu arbeiten, gelassener damit umzugehen?
  3. Nimm hin, was andere Menschen tun. Du kannst nur einen einzigen Menschen unmittelbar beeinflussen und das bist du selbst. Natürlich kannst du versuchen, andere Menschen zu inspirieren. Du kannst ihnen helfen. Du kannst ihnen Werkzeuge in die Hand geben, die ihnen ermöglichen, sich zu verändern. Du kannst den Anstoß geben, ein Vorbild sein. Tatsächlich verändern können sie sich aber nur selber. Deshalb macht es keinen Sinn, nachtragend zu sein oder unzufrieden mit dem Verhalten anderer Menschen. Akzeptiere, dass sie nicht du sind. Akzeptiere, dass sie sich nur selbst ändern können und jeder auf seiner eigenen Reise ist.
  4. Du bist alles, was dir in deinem Leben widerfahren ist. Alle Ereignisse, positive und negative, große oder kleine, die dir bis jetzt widerfahren sind, machen dich zu dem, was du jetzt gerade bist. Vieles fühlt sich nicht angenehm an, jeder Mensch macht mehr oder weniger schwierige Zeiten durch. Dieser Vorgang endet nie. Jede Erfahrung verändert unser »Weltbild« ein bisschen. Wir lernen dazu, tendenziell aus Fehlern mehr als aus Erfolgen. Deshalb sollten wir für jeden Moment dankbar sein. Wenn du lernst, dich zu akzeptieren und zu lieben, so wie du bist, dann lernst du auch, das zu lieben, was bisher passiert ist. Du lernst also, alles zu lieben.

Wie gelassen bist du?

Bist du ein sehr gelassener Mensch? Macht es für dich einen Unterschied, gelassen im Alltag zu sein und tatsächlich gelassen mit Stresssituationen umzugehen?

Was hältst du von der Verbindung von Gelassenheit und Achtsamkeit? Hast du vielleicht einen anderen Zugang zu diesem Thema? Ich höre gerne davon in den Kommentaren, auf Facebook oder Instagram.

Artikel von Dominik Radl