Das passiert, während du dich ärgerst

Das passiert, während du dich ärgerst
Hast du schon einmal darüber nachgedacht, was du eigentlich verpasst, während du dich furchtbar über etwas ärgerst? Wenn du über folgende Annahme nachdenkst, wirst du anders mit Ärger und Zorn umgehen.

Gegenteile existieren gleichzeitig

Ich möchte dich einladen, einmal über dieses Prinzip nachzudenken: Während du dich ärgerst, hast du das Gefühl, Freude und Glück seien nicht vorhanden. In Wahrheit sind sie jedoch existent, aber du bist dafür blind.

Liebe und Hass, Freude und Zorn, Begeisterung und Gleichgültigkeit sind jeweils zwei Seiten derselben Medaille. Während du dich auf die eine Seite konzentrierst, bleibt dir die andere weitgehend verborgen.

Nicht umsonst gibt es die Redewendung, man wäre »blind vor Hass«. Wenn wir uns negativen Emotionen hingeben, sorgen wir gleichzeitig auch dafür, dass wir positive Emotionen nicht zulassen.

Was bedeutet das nun in der Praxis? Ich glaube, dieses Prinzip findet viel öfter Anwendung, als wir das erstmal denken:

  • Wenn du dich über das Wetter ärgerst, kann es passieren, dass du die Schönheit des Regens nicht erkennst. Die vermeintliche Enttäuschung resultiert aus einer Erwartungshaltung. Achte darauf, ob die die Enttäuschung den Blick für das eigentlich Schöne trübt.
  • Wenn du dich über bestimmte Eigenschaften von Menschen ärgerst, kann es passieren, dass du viel wichtigere übersiehst. Du kannst Menschen nicht ändern. Aber du kannst entscheiden, was du in ihnen siehst. Niemand hat nur negative Eigenschaften. Wenn du dich aber genau auf diese konzentrierst, wirst du es schwer haben, die positiven zu finden.
  • Wenn du dein Leben als langweilig siehst, wirst du für die Schönheit des Alltags blind sein. Gleichgültigkeit blockiert die Sicht auf das Besondere. Du kannst dich dazu entscheiden, das nicht zuzulassen. Erwarte jeden Tag neugierig und unvoreingenommen und dir stehen alle Möglichkeiten offen.
  • Wenn du dich als Minimalist zu sehr darauf konzentrierst, »Weniger« zu erreichen, wirst du dir schwer tun, »Genug« zu finden. Während ich Minimalismus als die Schönheit von »Genug« sehe, scheint es einen regelrechten Kampf um eine möglichst geringe Zahl zu geben. Dieses Bestreben kann den Genuss der Schönheit von »Genug« trüben.
  • Wenn du dich in deiner Ernährung zu sehr darauf konzentrierst, abzunehmen, kannst du vergessen, wie gut Essen eigentlich schmeckt. Genuss und Zwang sind wiederum zwei Seiten derselben Medaille. Beides schließt nicht aus, dass du abnimmst. Mit Genuss wirst du dein Ziel aber sicher glücklicher erreichen.

Du bist nicht eine Seite der Medaille, du bist die Medaille

Leider sorgen derlei Annahmen oft dafür, dass wir ein polarisierendes Denken entwickeln. Wir sehen unsere Emotionen gewissermaßen schwarz und weiß. In Wahrheit gibt es aber nichts, das bunter ist.

Bedenke, dass du nicht nur eine Seite der Medaille bist. Du bist die Medaille. In dir gibt es beide Seiten. Du kannst Zorn empfinden, aber auch Glück. Die Frage, die wir uns stellen sollten ist nicht »Wie kann ich keinen Zorn mehr empfinden?«, sondern »Wie kann ich empfänglich für Glück bleiben?«.

Ich denke, der Schlüssel zu einem vernünftigen Umgang mit den beiden Seiten ist Akzeptanz. Wenn du der vermeintlich negativen Seite ein bisschen von ihrer »Scheuklappen–Funktion« nehmen möchtest, dann akzeptiere zunächst ihr Dasein.

Es ist gut, dass wir in der Lage sind, all das zu fühlen. Wenn ich zornig bin, soll mich das aber nicht blind für Glück und Freude machen. Das sorgt nämlich für die Abwärtsspirale der negativen Emotionen, in der sich viele Menschen tagtäglich befinden.

Mit beiden Seiten umzugehen bedeutet für mich nicht, nur noch grinsend herumzulaufen. Es bedeutet, empfänglich zu bleiben. Zu erkennen, wann man blind für eine der beiden Seiten wird und sich bewusst für Glück, Freude und Zuversicht zu entscheiden.

Das Herz offen halten

Die Kunst, empfänglich für Glück zu sein, hat sicher etwas damit zu tun, sein Herz offen zu halten. Wer sein Herz offen hält, lässt sich von negativen Emotionen nicht blind machen. Hier sind also meine Schritte, um mit den Seiten der Medaille umzugehen:

  • Akzeptiere beide Seiten in dir. Entwickle keine abwehrende, sondern eine einladende Haltung. Lerne dich besser kennen.
  • Bemerke, wenn du blind wirst. Sich manchmal zu ärgern ist in Ordnung. Aber lass dich vom Ärger nicht gefangen halten. Drehe die Medaille und schaue nach, was auf der anderen Seite ist.
  • Halte dein Herz offen. Versuche, empfänglich für Glück und Freude zu bleiben. Dann kann es nicht passieren, dass dich Wut und Ärger für die Schönheit und Einzigartigkeit des Lebens blind machen.

Kennst du deine Medaille?

Was sagst du dazu? Kennst du diese Situationen, in denen dich dein Ärger davon abhält, das Gute zu sehen? Hast du vielleicht einen anderen Weg, um dem »Scheuklappen–Modus« zu entkommen?

Ich freue mich über einen Kommentar zu diesem Thema.

Artikel von Dominik Radl