Ausmisten in 4 supersimplen Schritten

Ausmisten in 4 supersimplen Schritten
Vielleicht hast du dir schon das eine oder andere Mal vorgenommen, etwas Zeug loszuwerden. Hast du auch eine Kommode, einen Schrank oder sogar einen ganzen Raum mit Sachen, die du selten bis nie brauchst, aber du kannst dich nicht überwinden, sie wegzuwerfen? Ausmisten kann man systematisch und regelmäßig – hier kommt die ultimative Anleitung.

Ich bin davon überzeugt, dass ein Leben mit weniger Kram leichter, unabhängiger und freier ist. Wenn ich mich mit jemandem über dieses Thema austausche kommt meistens früher oder später der Punkt »Ich will ja auch reduzieren, aber wie soll ich das machen?« oft gefolgt von »Ich habe ja keine Zeit« oder »Wo soll ich denn anfangen?«

Dieser Artikel soll dir dabei helfen, deinen Kram loszuwerden und endlich frei zu sein. Ich habe den Weg in vier Schritte unterteilt. Bitte bedenke, dass das nur eine Möglichkeit von vielen ist. Ich halte diese Technik für die beste und einfachste, wenn du viel auf einmal ausmisten willst.

Also mach dich bereit, etwas zu verändern, jetzt geht es deinem Kram an den Kragen.

1. Werde dir bewusst, dass etwas weg muss

Dass du bis hierher gelesen hast sagt mir, dass du es in Betracht ziehst, etwas loszuwerden. Trotzdem will ich den ersten Schritt der Überzeugung widmen, eine Veränderung zu schaffen.

Auszumisten bedeutet nicht nur, Dinge, die du ohnehin entsorgen wolltest loszuwerden, sondern auch zu erkennen, welche Dinge es wert sind, einen Platz in deinem Leben zu haben. Diese Gegenstände nehmen nicht nur physisch einen gewissen Platz ein. Sie beanspruchen dazu einen kleinen Platz in deinem Gehirn und einen kleinen Teil deiner Aufmerksamkeit.

Vielleicht denkst du, du hättest diese Dinge doch sicher weggeräumt. Einmal im Abstellraum, der Garage oder einem verschlossenen Kasten verstaut müsstest du nicht mehr daran denken. Dem ist leider nicht so. Du weißt, dass es diese Orte gibt und dass du eigentlich etwas daran ändern willst. Die Waage zu verstecken hat auch noch nie dabei geholfen, abzunehmen.

Betrachte deine Aufmerksamkeit als ein wertvolles, begrenztes Gut. Jeder Tag ist begrenzt. Dein Leben ist begrenzt. Lass nicht zu, dass unnötige Produkte deine Aufmerksamkeit einnehmen. Wie ein Kurator sorgfältig auswählt, welche Objekte einen Platz an den Wänden einer Galerie haben, so solltest du kuratieren, was es wert ist, einen Teil von dir einzunehmen.

Platz zu schaffen bedeutet, Ressourcen frei zu machen. Widme deine Aufmerksamkeit interessanten Projekten, lerne etwas neues oder pflege deine Freundschaften. Anhäufungen von Produkten drosseln deine Kreativität und Lebensenergie.

2. Raus damit

Jetzt geht es ans Eingemachte. Du kannst jetzt beginnen, alles zu verändern. Du kannst durch deine Wohnung gehen und jedes Objekt nehmen, von dem du denkst, du möchtest es loswerden. Das empfehle ich aber nicht.

Meiner Erfahrung nach funktioniert das Ausmisten am besten, wenn du dir einen begrenzten Bereich vornimmst. Das gewährleistet, dass du jedem Objekt deine volle Aufmerksamkeit widmen kannst und nicht nach vielen Stunden ausbrennst.

Wähle einen begrenzten Bereich. Nimm dir eine Lade, einen Kasten, eine Kommode oder ein Regal vor. Der Bereich muss deutlich abgegrenzt sein. Entweder wählst du einen Ort aus, der dir gerade einfällt, oder du gehst systematisch vor. Du könntest zum Beispiel bei der Eingangstüre beginnen und dich immer weiter bis ans Ende der Wohnung arbeiten. Aber nimm dir immer nur einen Bereich vor.

Räume alles aus. Versuche, noch nicht zu selektieren. Räume einfach alles aus. Lege es auf den Boden und sorge dafür, dass all diese Objekte richtig im Weg sind. Möglicherweise ist jetzt der Zeitpunkt für die erste Panikattacke gekommen. Beruhige dich, alles wird gut. Egal wie groß der Haufen jetzt ist, meistens bist du schneller als du denkst.

Was jetzt bleibt, ist ein völlig leerer Bereich, der vorhin voll war und ein Berg von Zeug. Weiter zum nächsten Schritt.

3. Entscheide, was hinein darf

Jetzt nimmst du die Rolle des Kurators ein. Hier ist es wichtig, klare Entscheidungen zu treffen. Sei ehrlich und gnadenlos. Jedes Objekt »vielleicht« wieder zu brauchen bringt dich nur bedingt weiter.

Nimm dir jedes Objekt einzeln vor. Entscheide, ob du es wirklich brauchst. Bereichert es dein Leben? Verwendest du es regelmäßig? Wäre es eine große Einschränkung, es nicht mehr zu haben? Weitere Tipps für diesen Schritt findest du am Ende des Artikels.

Gib dem Objekt ein Zuhause. Wenn etwas bleiben darf, dann gib ihm ein Zuhause. Wähle ganz bewusst einen Platz für dieses Objekt aus. Jedes Mal, wenn du das Objekt gebraucht hast, bringe es wieder in sein Zuhause. Es ist wichtig, dass jedes Objekt seinen Ort hat, sonst wirst du immer mehr Zeug als Platz haben.

Es gibt etwas jenseits von Ja und Nein. Wenn du dir wirklich unsicher bist, ob du das Objekt brauchen wirst, stell es auf die Probe. Nimm eine Kiste, zum Beispiel einen ganz normalen Karton und mach sie zur »Ein-Jahr-Kiste«. In diese Kiste kommt alles, von dem du nicht weißt, ob es brauchst, oder nicht.

Wenn du mit diesem Bereich fertig bist, klebe die Kiste zu und verstaue sie. Die »Ein-Jahr-Kiste« ist eine Ausnahme und darf verstaut werden. Das Ziel ist, dass du ein ganzes Jahr lang nicht daran denkst, dass du etwas aus der Kiste brauchst. Dann kannst du in einem Jahr die gesamte Kiste entsorgen. Wenn du etwas daraus wirklich brauchst, kannst du es ja wieder heraus nehmen. Kein Stöbern, wenn du nicht etwas Konkretes brauchst.

4. Weg mit dem Rest

Jetzt ist es an der Zeit, das zu entsorgen, was keinen Platz mehr in deinem Leben hat. Ich rate davon ab, einfach alles wegzuwerfen. Erstens sind es wahrscheinlich mehr oder weniger nützliche Dinge, die vielleicht jemand brauchen kann, zweitens geht dir möglicherweise eine Menge Geld durch die Lappen.

Ich verwende immer dieses Drei-Stufen-Modell um etwas loszuwerden:

  1. Ich frage Freunde und Familie. Wenn ich jemandem in meinem direkten Umfeld eine Freude machen kann, dann verschenke ich gerne meine überflüssigen Sachen.
  2. Verkaufen oder spenden? Diese Frage ist rein ethisch. Möchtest du Geld für dieses Objekt verlangen, oder willst du es direkt spenden? Bei teureren Objekten, wie Uhren oder Modellautos wird es sinnvoller sein, sie zu verkaufen. Wenn du etwas Gutes tun willst, kannst du ja immer noch einen Teil deiner Einnahmen spenden. Schalte Inserate auf Willhaben, Shpock oder Ebay. Manchmal lohnt es sich, mit Preisen zu experimentieren.
  3. Spenden oder entsorgen? Wenn es keinen Sinn macht, etwas zu verkaufen, spende ich es. Bei Kleidung ist das besonders einfach. Aber auch für Bücher und Spielsachen gibt es entsprechende Stellen. Kaputte Gegenstände sollten fachgerecht entsorgt werden. Das bedeutet nicht, einen riesigen Müllsack vor die Türe zu stellen, sondern der nächsten Müllsammelstelle einen Besuch abzustatten und mit Hilfe der dortigen Mitarbeiter deinen Kram fachgerecht zu entsorgen.

Tipps & Hilfe

Mit diesen Schritten kannst du jetzt Bereich für Bereich ausmisten. Hier sind noch ein paar Tipps und Anregungen, die dir vielleicht dabei helfen:

  • Nichts ist für immer weg. Oliver von frugalisten.de schreibt in einem seiner Artikel über eine neue Sichtweise zu Zeug, das du los wirst. Er schreibt von einer Stuff-Cloud. Das Konzept beschreibt, dass das, was du heute verkaufst in den meisten Fällen nicht für immer verschwunden ist. Wenn du irgendetwas zu einem späteren Zeitpunkt wirklich dringend brauchst, kannst du es dir in den allermeisten Fällen wieder gebraucht kaufen.
  • Ausmisten als Gewohnheit. Mach es zur Gewohnheit, regelmäßig alles in sein Zuhause zu bringen. Mach es zur Gewohnheit, immer wieder einen neuen Bereich auszumisten. Mach es zur Gewohnheit, vor dem Schlafengehen die Küche in Ordnung zu bringen. Wie du Gewohnheiten entwickelst und für dich spielen lässt erfährst du in meinem Handbuch »Ein Jahr für Veränderer«, das du kostenlos herunterladen kannst, wenn du dich für den Newsletter anmeldest.
  • Definiere Regeln. Wenn du dich dazu entschließt, etwas Neues in dein Leben zu lassen, wirf etwas Altes raus. Diese einfache Regel kann einen großen Unterschied machen. Werde kreativ und halte dich an deine Regeln.
  • Du bist nicht dein Zeug. Was du besitzt macht nicht deine Persönlichkeit aus. Menschen mögen dich, weil du toll bist, weil du großzügig bist, weil du hilfsbereit und zuverlässig bist. Das hat absolut nichts damit zu tun, was, oder wieviel du besitzt.
  • Fülle den gewonnenen Platz nicht. Wir sind oft versucht, den gewonnenen Platz sofort zu füllen. Es sieht seltsam aus, wenn ein Regal plötzlich nur noch zur Hälfte gefüllt ist. Gewöhne dich zuerst an den neuen Anblick und lass ihn ein paar Tage wirken. Dann kannst du immer noch entscheiden ob dort vielleicht eine Pflanze oder Kerze Platz hat.
  • Ausmisten ist ein Prozess. Bedenke, dass du wahrscheinlich nie damit fertig bist. Nimm dir immer wieder die Zeit, einen Bereich auszumisten und freue dich über das Ergebnis.

Wenn du mehr über dieses Thema lesen möchtest, empfehle ich dir folgende Artikel:

Wie entrümpelst du?

Hast du deine ganz eigene Technik, Dinge loszuwerden? Wie ist deine Einstellung zu Produkten, speziell zu denen, die du nicht oft brauchst? Hast du für dich Regeln definiert, um zu erkennen, wann du etwas nicht brauchst?

Deine Erfahrungen interessieren mich! Ich freue mich über einen Kommentar mit deiner Meinung.

Artikel von Dominik Radl